UBS droht wegen Libor rekordverdächtige Strafe

Montag, 17. Dezember 2012, 19:11 Uhr
 

Zürich/London (Reuters) - Ihre Verstrickung in den Libor-Skandal dürfte der Schweizer UBS die zweithöchste Geldstrafe einbrocken, die je eine Großbank zahlen musste.

Das Geldhaus verhandle mit den Aufsehern in Großbritannien und den USA über eine Geldstrafe von rund 1,5 Milliarden Dollar, sagte eine mit der Situation vertraute Person am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. Dies ist rund drei Mal mehr, als die britische Bank Barclays im Juni wegen ihrer Rolle bei der Manipulation des Referenzzinses Libor bezahlen musste, und wird nur noch von den 1,9 Milliarden Dollar übertroffen, zu denen HSBC vergangene Woche wegen eines Geldwäsche-Skandals verdonnert wurde. Die hohen Summen zeigen, dass die Aufsichtsbehörden gegenüber der mächtigen Finanzbranche inzwischen eine wesentlich härtere Gangart einschlagen.

Insgesamt sollen mehr als ein Dutzend Großbanken über Jahre Referenzzinssätze wie den Libor zu ihren Gunsten manipuliert haben. Der einmal täglich in London ermittelte Libor soll anzeigen, zu welchen Konditionen sich Banken untereinander Geld leihen. Der Zinssatz beruht auf den - von außen bislang kaum nachprüfbaren - Angaben der Institute und ist die Grundlage für billionenschwere Finanztransaktionen rund um den Globus. Die Ermittler vermuten, dass die Banken vor allem auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 zu niedrige Angaben gemacht haben, um ihre tatsächlichen Refinanzierungskosten zu verschleiern und Handelsgewinne einzustreichen.

Die UBS wird den Informationen zufolge nun zugeben, dass 36 Händler weltweit zwischen 2005 und 2010 den Referenz-Zinssatz Yen-Libor manipuliert haben. Der Vergleich dürfte frühestens am Mittwoch veröffentlicht werden. Die UBS werde strafrechtlich relevantes Fehlverhalten der japanischen Niederlassung eingestehen, berichtete der Insider. Die UBS wollte sich zu den Vergleichsverhandlungen oder einer möglichen Strafzahlung nicht äußern.

Investoren nahmen die Nachrichten mit gemischten Gefühlen auf. "Das Gute ist, dass die Sache damit beendet wird", sagte Swisscanto-Fondsmanager Peter Stenz. "Das Schlechte ist der Umfang, der die Frage aufwirft, wie wichtig UBS in dieser Sache ist." UBS hatte im Streit um die Libor-Manipulationen frühzeitig auf eine Kooperation mit den Behörden gesetzt - dennoch muss sie nun offenbar sehr viel zahlen, auch wenn sie das angesichts eines Gewinns von 4,2 Milliarden Franken allein im Jahr 2011 recht gut wegstecken dürfte. "Auch nach der Buße wäre UBS immer noch besser kapitalisiert als andere Banken", erklärte Kepler-Analyst Dirk Becker.

An der Börse verloren die UBS-Aktien am Nachmittag 0,9 Prozent auf 14,91 Franken und entwickelten sich damit schlechter als die anderen europäischen Bankenwerte. Händler erklärten, sie befürchteten weitere negative Nachrichten in Zusammenhang mit den Libor-Skandal - etwa Zivilklagen.

AUCH DIE RBS MUSS ZAHLEN

Barclays hatte als erstes Institut ein Fehlverhalten von Händlern in Sachen Libor eingeräumt. Auch die britische Großbank Royal Bank of Scotland (RBS) steht in Zusammenhang mit den Zinsmanipulationen einem Zeitungsbericht zufolge vor einer Einigung mit den Behörden. Der teil-verstaatlichten Bank drohe eine Strafe von mehr als 430 Millionen Euro (350 Millionen Pfund), berichtete die "Sunday Times" ohne Angabe von Quellen.

Die Deutsche Bank, die sich wegen ihrer Verstrickung in den Libor-Skandal seit Monaten mit einer Sonderprüfung der Finanzaufsicht Bafin konfrontiert sieht, steht Kreisen zufolge noch nicht in Vergleichsverhandlungen. "Wer sich hier zuerst bewegt, hat verloren", sagte ein Insider und verwies auf Barclays. Daher warte Deutschlands größtes Geldhaus erst einmal ab. Die Bank, die Kreisen zufolge mehrere Händler suspendierte, hat selbst eine Untersuchung gestartet. Nach eigenen Angaben konnte sie bislang aber keine Hinweise darauf entdecken, dass der Vorstand von den Tricksereien wusste.

 
An employee uses a mobile phone as he walks past the logo of Swiss bank UBS in Zurich December 17, 2012. UBS AG will pay around $1.5 billion to settle charges that a group of traders at its Japanese unit rigged Libor interest rates, a source familiar with the matter said on Monday as the Swiss bank prepares for a deal with regulators. REUTERS/Michael Buholzer (SWITZERLAND - Tags: BUSINESS LOGO)