Siemens-Rivale GE vor Milliarden-Deal in Italien

Dienstag, 18. Dezember 2012, 11:38 Uhr
 

Mailand/New York (Reuters) - Der US-Mischkonzern General Electric (GE) steht Insidern zufolge kurz vor der Übernahme des italienischen Luftfahrt-Zulieferers Avio.

Die Amerikaner, die unter anderem Triebwerke für Airbus und Boeing bauen, hätten ein Angebot von mehr als drei Milliarden Euro auf den Tisch gelegt, sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Damit hätten sie nun die besten Aussichten auf den Zuschlag. Das Geschäft könnte bereits am Donnerstag bekanntgegeben werden.

Avio mit Sitz in Turin gehört BCV Investments, an der wiederum der Investor Cinven einen Mehrheitsanteil hält. Diese hatten Avio 2006 für etwa 2,6 Milliarden Euro übernommen. Für den Investor wäre der nun angedachte Verkauf also kein schlechter Deal. Avio kam 2011 auf einen Jahresumsatz von mehr als zwei Milliarden Euro und ein operatives Ergebnis (Ebitda) von gut 384 Millionen.

GE und Cinven lehnten eine Stellungnahme ab, bei Avio war zunächst kein Kommentar zu erhalten.

POLITISCHER WIDERSTAND?

Die Insider betonten, dass noch keine endgültige Entscheidung gefallen sei. Alle Seiten wollten aber noch vor Weihnachten zu einem Ergebnis kommen. Die französische Luftfahrt- und Rüstungsfirma Safran habe allerdings noch nicht aufgegeben und suche noch einen Weg zurück ins Rennen, sagte einer der Insider. Ursprünglich sollte Avio dieses Jahr an die Börse gebracht werden.

Denkbar ist noch, dass der jetzt stattdessen angedachte Verkauf an politischen Widerständen scheitert. Für die italienische Regierung gilt Avio als strategisch wichtig. Das Unternehmen ist ein bedeutender Zulieferer von GE für Flugzeug- und Helikopter-Motoren - ein Geschäft, das wegen der hohen Nachfrage von Airbus und Boeing weiter wachsen dürfte. Einer der Insider ergänzte, GE sei nicht besonders interessiert am Raumfahrtgeschäft von Avio und könnte dieses zu einem späteren Zeitpunkt weiterverkaufen.

GE teilte unterdessen in New York mit, der Konzernumsatz könne 2013 stagnieren oder im besten Fall fünf Prozent zulegen. Der Siemens-Rivale rechnet zudem mit einem höheren Gewinn, will sich aber noch nicht auf das erwartete Plus festlegen. Vor allem wegen des ungelösten US-Haushaltsstreits seien die Konjunkturaussichten unsicher, klagte GE-Chef Jeff Immelt. Das mache sich schon im Geschäft bemerkbar. Viele Groß-Konzerne hatten zuletzt weniger Aufträge ihrer Kunden verbucht.