ThyssenKrupp-Boss stützt Aufsichtsratschef Cromme

Dienstag, 18. Dezember 2012, 11:38 Uhr
 

Düsseldorf (Reuters) - ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger hat sich abermals hinter seinen in der Kritik stehenden Aufsichtsratschef Gerhard Cromme gestellt.

Sein Vertrauen zu Cromme sei in den Krisenzeiten noch gewachsen, sagte Hiesinger in einem am Dienstag vorab veröffentlichten Interview der Wochenzeitung "Die Zeit". Zugleich nahm er das gesamte Kontrollgremium im Zusammenhang mit dem Desaster der neuen Stahlwerke in Übersee in Schutz. "Letztlich hat der damalige Vorstand dem Aufsichtsrat zu optimistische Angaben gemacht und die Risiken nicht ausreichend dargestellt. Man hat innerhalb möglicher Szenarien einfach das beste genommen." Die Kosten für die Werke in den USA und Brasilien waren auf zwölf Milliarden Euro explodiert.

"Der Aufsichtsrat hat regelmäßig externe Gutachten eingeholt, wenn er zweifelte und zusätzliche Informationen wollte. Aber stets wurden die Aussagen des Vorstands bestätigt", sagte Hiesinger der Zeitung. ThyssenKrupp hat inzwischen rund sechs Milliarden Euro auf die Anlagen abgeschrieben und will sie rasch verkaufen.

Der Konzern mit weltweit rund 150.000 Beschäftigten wird von Milliardenverlusten, Kartellverstößen und Korruptionsvorwürfen erschüttert. Einige Aktionärsschützer werfen Cromme vor, bei der Kontrolle des Unternehmens versagt zu haben und fordern seinen Rücktritt. Cromme lehnt dies kategorisch ab. Er steht seit 2001 an der Spitze des Aufsichtsrats.