Quelle-Erbin kann wohl nicht auf Sal-Oppenheim-Milliarden hoffen

Dienstag, 18. Dezember 2012, 13:00 Uhr
 

Köln (Reuters) - Die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz kann sich nur wenig Hoffnung auf Milliarden-Schadenersatz nach der Pleite des Handelskonzerns Arcandor machen.

Schickedanz hat ihre ehemalige Hausbank Sal. Oppenheim und ihren Berater Josef Esch vor dem Kölner Landgericht auf rund 1,9 Milliarden Euro verklagt. Er halte das Vorgehen der Klägerin aber für "schwerlich plausibel" sagte der Vorsitzende Richter Stefan Singbartl am Dienstag. Das mittlerweile zur Deutschen Bank gehörende Bankhaus Sal Oppenheim sieht sich damit bestätigt - Schickedanz' Klage sei unbegründet, sagte Anwalt Carsten van de Sande. Die Kammer will nun bis zum 4. Juni 2013 über ihr weiteres Vorgehen entscheiden.

Schickedanz wirft dem Bankhaus und Esch vor, sie hätten sie falsch beraten und um große Teile ihres Vermögens gebracht. Die Quelle-Erbin hatte sich in großem Stil an KarstadtQuelle und dem daraus hervorgegangenen Arcandor-Konzern beteiligt - und hatte die Aktien teils auf Kredit finanziert. Arcandor war 2009 in die Pleite geschlittert. Schickedanz klagt danach. Die Beklagten reagierten mit Widerklagen - hier liegt der Streitwert bei rund 470 Millionen Euro.

Schickedanz habe vermutlich wissen müssen, welche Transaktionen sie tätigte, signalisierte die Kammer. "Sie machte alles mit", sagte Richter Singbartl - und es sei kein Hinweis zu erkennen, dass die Erbin ihren Anteil nicht habe ausbauen wollen. Auch sei davon auszugehen, dass ihr Ehemann Leo Herl, der im Arcandor-Aufsichtsrat saß, Schickedanz über die Lage informiert habe. Zudem wisse er selbst, was es bedeute, Aktien zu kaufen, und auch, was es heiße, Aktien auf Kredit zu finanzieren, fügte Richter Singbartl hinzu. Es sei davon auszugehen, dass auch eine Frau mit dem Bildungsstand von Frau Schickedanz um die Konsequenzen gewußt habe.

Die Klägerin argumentiert ganz anders: Ihr Anwalt Stefan Homann unterstrich, die Quelle-Erbin habe ihren Beratern blind vertraut. Diese hätten Schickedanz nie deutlich gemacht, was eine Arcandor-Pleite für ihr Vermögen bedeuten würde. Die Berater hätten Schickedanz regelrecht "vor sich hergetrieben": "Frau Schickedanz hat gemacht, was man ihr vorgelegt hat." Oppenheim und Esch hätten dies bewußt ausgenutzt.

Schickedanz trage nun die "volle Beweislast" bei der Untermauerung ihrer Argumentation, sagte Richter Singbartl. Ein möglicher Ausweg für die Klägerin: Sie könne auf "Extrempositionen" verzichten und einen Ausgleich suchen.

Der KarstadtQuelle-Konzern hatte ebenso wie seine Nachfolgefirma Arcandor zahlreiche Top-Manager verschlissen, eine klare Perspektive fehlte. 2004, als KarstadtQuelle mit anhaltenden Umsatzeinbrüchen kämpft, übernahm der frühere Bertelsmann-Manager Thomas Middelhoff den Aufsichtsratsvorsitz, 2005 wechselt er auf den Chefsessel. Er verkaufte neben den Immobilien alle Verlustbringer wie Hertie, SinnLeffers und Wehmeyer - und träumte öffentlich von einem Aktienkurs in einer Höhe von "40 Euro plus X". Arcandor schlitterte dennoch in die Pleite, der Warenhausriese Karstadt ging später an den Milliarär Nicolas Berggruen.

Dem Bankhaus Sal. Oppenheim erging es nicht viel besser. 2009 schluckte die Deutsche Bank das Institut und rettete es damit vor der Pleite. Nun werden Stellen gestrichen - Insgesamt dürfte fast die Hälfte der 930 verbliebenen Mitarbeiter von Sal. Oppenheim ihren Job verlieren, berichteten Personen, die mit den Plänen vertraut sind. Die Traditionsbank spricht schmallippig von einem Stellenabbau "in signifikantem Umfang".