Neuer Rückschlag für Merck -Wichtiges Krebsmittel floppt

Mittwoch, 19. Dezember 2012, 10:10 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Schwerer Rückschlag für Merck: Ein neues Krebsmittel des Darmstädter Chemie- und Pharmakonzerns wirkt nicht wie erhofft.

Der Wirkstoff L-BLP25 habe das Ziel in einer Studie mit Lungenkrebs-Patienten verfehlt, teilte Merck am Mittwoch mit. Er habe das Überleben der Erkrankten nicht signifikant verlängert. Analysten hatten dem Mittel nach einer Zulassung bis zu eine Milliarde Euro Umsatz im Jahr zugetraut. Es sollte den Konzern nach einer Reihe von Fehlschlägen in der Forschung deutlich voranbringen.

Getestet wurde das Medikament mit dem früheren Namen Stimuvax an Krebspatienten, die mit dem nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinom kämpfen. Merck hatte ursprünglich erst Anfang 2013 mit endgültigen Ergebnissen der Lungenkrebs-Studie "Start" gerechnet. Ganz gibt Merck die Hoffnung auf eine Zulassung des Krebsmittels offenbar nicht auf: Das laufende klinische Programm werde vorbehaltlich der Gespräche mit den Zulassungsbehörden fortgesetzt. Die Parallel-Studie "Inspire" in Asien laufe momentan weiter, sagte ein Merck-Sprecher. In anderen Indikationen werde das Mittel derzeit aber nicht getestet. Allerdings habe die Studie der Phase III - also der letzten klinischen Versuchsreihe vor einer möglichen Zulassung - bei bestimmten Patienten deutliche Behandlungseffekte gezeigt.

Die Analysten von Equinet argumentierten, für Merck gebe es noch im besten Fall die Chance, dass die Daten aus den Untergruppen der Studie gut genug seien, um weitere Phase-III-Forschungen und eventuell eine Zulassung für diese kleineren Anwendungsgebiete zu ermöglichen. Derzeit sei das aber reine Spekulation. DZ-Bank-Analyst Peter Spengler resümierte in einem Kommentar, er sei angesichts der Geschichte von Fehlschlägen in der Arzneiforschung von Merck nicht überrascht vom dem Floppen von Stimuvax. Die Merck-Aktie fiel um 3,5 Prozent auf 98,10 Euro, während der Dax sich einem Fünf-Jahres-Hoch näherte.

DIE ZEIT DRÄNGT

Merck hatte nach einer Serie von Rückschlägen in der Arznei-Entwicklung ein Umbauprogramm auf den Weg gebracht. Größter Flop war 2011 die Multiple-Sklerose-Tablette Cladribin, die bei den Behörden in den USA und Europa durchfiel. Mit dem Umbau will der Konzern die Schlagkraft des Pharmageschäfts stärken und die Entwicklung neuer Medikamente vorantreiben. Auch der Chef der Pharmasparte wurde ausgetauscht und die Weiterentwicklung von wenig erfolgversprechenden Mitteln wie dem Parkinson-Medikament Safinamid eingestellt.

Parallel kooperiert Merck mit kleineren Biotechfirmen, um sich hoffnungsvolle Wirkstoffe zu sichern und seinen dünnen Nachschub an neuen Arzneien aufzufüllen. Die Zeit drängt: Ab 2015 könnte den drei umsatzstärksten Medikamenten Konkurrenz durch Generika drohen. Aus den eigenen Arzneilabors heraus kann Merck mögliche Umsatzausfälle bei den Top-Präparaten nach Einschätzung von Analysten nicht ausgleichen - nur Stimuvax hatten die Experten zugetraut, die Geschäfte entscheidend voranzubringen.