UniCredit offen für Verkauf von Kasachstan-Tochter

Mittwoch, 19. Dezember 2012, 12:29 Uhr
 

Wien (Reuters) - Die italienische Großbank UniCredit stellt ihre kasachische Tochter ATF ins Schaufenster.

Unter bestimmten Bedingungen sei die Bank bereit für einen Verkauf, sagte Osteuropachef Gianni Franco Papa am Dienstagabend in Wien. "Es muss alles zusammenpassen, der Preis und der richtige Käufer." Sollte das der Fall sein, werde die Bank einen solchen Schritt erwägen. "Das ist eine Entscheidung, die auf Gruppenebene gefällt werden muss."

Einem Zeitungsbericht zufolge interessiert sich eine Investorengruppe aus der kasachischen Stadt Almaty für die ATF-Bank. Diese sei bereit, für das Institut rund 440 Millionen Euro auf den Tisch zu legen, was in etwa dem Buchwert entspreche, hatte die österreichische Tageszeitung "Presse" berichtet.

Die UniCredit hatte die Tochter 2007 für damals umgerechnet 1,5 Milliarden Euro gekauft - musste aber seither wegen der unerwartet schlechten Entwicklung massive Abschreibungen verdauen. Zu schaffen machten der Bank zuletzt vor allem steigende Rückstellungen für faule Kredite. Im Zuge einer groß angelegten Sanierung hatte die UniCredit die Tochter verkleinert und Stellen abgebaut. In den ersten drei Quartalen 2012 verbuchte die Tochter einen Vorsteuerverlust von 19 Millionen Euro und entwickelte sich damit etwas besser ab als im Vorjahreszeitraum. Im Gesamtjahr werde die ATF ähnlich abschneiden wie 2011, als ein Vorsteuerverlust von 37 Millionen Euro zu Buche stand, sagte Papa.

Weitere Zukäufe in Osteuropa stehen dem Manager zufolge zunächst nicht auf der Agenda. "Wir wollen organisch wachsen, nicht über Akquisitionen." Mögliche Übernahmeziele in Polen oder der Türkei werde sich die UniCredit aber dennoch ansehen. An den zum Verkauf stehenden Geschäftsteilen der österreichischen Staatsbank Hypo Alpe Adria habe die Bank kein Interesse.

VON TOTEN GÄNSEN UND ÜBERREGULIERUNG

Sorge bereitet dem Banker, der das UniCredit-Osteuropageschäft seit zwei Jahren leitet, vor allem die von Land zu Land unterschiedlichen Vorschriften der Bankenregulierer. "Überregulierung ist ein Thema", sagte er. In den Plan einer einheitlichen Bankenaufsicht unter dem Dach der EZB setze er daher große Hoffnungen. Allerdings müsse diese möglichst weite Teile Europas umfassen, nicht nur jene Länder, in denen der Euro eingeführt ist.

In Ungarn, wo die Regierung von Ministerpräsident Viktor Orban vielen Banken mit immer neuen Steuern und Abgaben hohe Verluste eingebrockt hatte, appellierte Papa an die Einsicht der Politik. Wegen der sich ständig ändernden Steuern würden viele Firmen derzeit einen Bogen um das Land machen. "Wer darunter leidet, ist das Land, die Bevölkerung", sagte Papa. "Irgendwann ist es eine Frage der Intelligenz des Gegenübers zu verstehen, dass man an einem Punkt ankommt, wo man die Gans tötet. Und wenn die Gans tot ist, ist sie tot. Man kann sie nicht wiederbeleben."