Hamburgs Schiffs-TÜV fusioniert mit Rivalen aus Norwegen

Donnerstag, 20. Dezember 2012, 14:40 Uhr
 

Oslo/Hamburg (Reuters) - Der weltgrößte Schiffsgutachter Germanischer Lloyd (GL) ordnet sich seinem norwegischen Konkurrenten Det Norske Veritas (DNV) unter.

Die beiden Unternehmen kündigten am Donnerstag ihren Zusammenschluss zu einem gemeinsamen Konzern an. Die DNV GL Group werde eine der größten Klassifikationsgesellschaften und eine bedeutende Prüforganisation für die Öl- und Gasindustrie, erneuerbare Energien und den Ausbau von intelligenten Stromnetzen sein. An der neuen Gesellschaft mit Sitz in Norwegen sollen die Eigner des Germanischen Lloyd mit 36,5 Prozent die Minderheit halten. Der Geschäftsbereich Schiffsklassifikation - Kern des Germanischen Lloyd - wird von Hamburg aus geleitet.

Damit wurde ein Kompromiss gefunden, in dem die Hansestadt mit Sitz vieler Reedereien ihre Bedeutung für den sogenannten Schiffs-TÜV behält. GL-Eigner Günter Herz widersprach zudem der Vermutung, es handele sich bei der Transaktion um einen Verkauf. "Als langfristig orientierter Gesellschafter sehen wir in dieser Partnerschaft die Fortsetzung unseres erfolgreichen Engagements beim Germanischen Lloyd", sagte der Tchibo-Erbe. Das "Hamburger Abendblatt" hatte berichtet, Günter und seine Schwester Daniela Herz leiteten mit dem Zusammenschluss ihren Rückzug aus dem Unternehmen ein. Die Vereinbarungen enthielten ein Andienungsrecht, mit dem sich die Familie nach einiger Zeit von ihren Anteilen trennen könne. In Hamburger Schifffahrtskreisen gehe man von einem Verkauf aus, berichtete die Zeitung.

DNV-Vorstandschef Henrik Madsen, der das Gemeinschaftsunternehmen leiten soll, begründete die Fusion mit der zunehmenden Globalisierung und dem fortschreitenden technologischen Wandel. Gemeinsam seien beide Gesellschaften zudem besser in der Lage, zu wachsen. In der Überwachung von Anlagen für erneuerbare Energien werde DNV GL weltweit führend sein. In der Schiffsklassifikation ist GL Weltmarktführer. Gerade dieses Geschäftsfeld schwächelt allerdings. Nach dem Bauboom vergangener Jahre halten sich die Reedereien mit Neubestellungen zurück, die Branche klagt über Überkapazitäten. Um Prüfaufträge der Schiffsindustrie konkurrieren auch die Schweizer SGS und die britische Intertek.

Durch den Zusammenschluss entsteht ein Unternehmen mit 17.000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von 2,5 Milliarden Euro. Der vor 140 Jahren gegründete GL mit einem Umsatz von zuletzt gut 800 Millionen Euro gehörte fast vollständig der Investmentfirma Mayfair der Tchibo-Erben. Herz war 2006 bei dem Schiffs-TÜV eingestiegen, um ein von Management und Belegschaft als feindlich empfundenes Übernahmeangebot des französischen Rivalen Bureau Veritas abzuwehren. Er war 2003 zusammen mit seiner Schwester Daniela nach einem familieninternen Streit beim Kaffee- und Handelskonzern Tchibo mit vier Milliarden Euro abgefunden worden.