Autobranche erhöht im Streit um Kältemittel Druck auf Politik

Donnerstag, 20. Dezember 2012, 18:49 Uhr
 

Hamburg (Reuters) - Im Streit um ein neues Kältemittel für Auto-Klimaanlagen erhöhen die Autobauer den Druck auf die Politik.

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) bestätigte am Donnerstag Tests mit Fahrzeugen verschiedener Hersteller. Dabei soll es einem Bericht von "Auto Bild" zufolge in drei Fällen zum Brand gekommen sein. Die Marken der getesteten Fahrzeuge nannte das Magazin nicht. Daimler weigert sich, das neue Kältemittel einzusetzen, das weniger zur Erderwärmung beitragen soll. Bei simulierten Unfällen hatte sich die Substanz nach Unternehmensangaben im Motorraum entzündet und giftige Gase freigesetzt.

Um Sanktionen abzuwenden, die bis zur Aberkennung der Typgenehmigung führen können, strebt der Suttgarter Autobauer eine sechsmonatige Ausnahmegenehmigung an. Bis eine Alternative gefunden ist, soll das alte Kältemittel weiter verwendet werden. Die EU verlangt, dass die neue Substanz mit der sperrigen Bezeichnung HFO 1234yf ab 2013 in Klimaanlagen eingesetzt wird. Die A- und B-Klasse von Daimler sind mit dem neuen Kältemittel zertifiziert.

Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat unterdessen alle Hersteller angeschrieben, die Autos mit dem neuen Kältemittel in den Verkehr gebracht haben. Sie sollen nachweisen, dass die Wagen trotz des neuen Mittels sicher sind. Der Weltverband der Autoingenieure SAE hatte unlängst bekräftigt, dass das neue Kältemittel auch bei schweren Unfällen ungefährlich sei.

Die gesamte Automobilindustrie hatte sich seinerzeit für das neue Kältemittel für ab Anfang 2011 neu genehmigte Fahrzeugtypen entschieden, um die EU-Klimavorgaben zu erfüllen. Als die beiden US-Hersteller DuPont und Honeywell die Substanz nicht in ausreichender Menge liefern konnten, wurde von der EU bis Ende 2012 ein Moratorium erlassen. Damit wurde möglich, vorerst das alte Kältemittel weiter zu verwenden, das klimaschädlicher ist.