Wiener Conwert Immobilien übernimmt Kommunale Wohnen

Freitag, 21. Dezember 2012, 15:01 Uhr
 

Wien (Reuters) - Der österreichische Wohnimmobilienkonzern Conwert übernimmt den deutschen Konkurrenten KWG Kommunale Wohnen.

Conwert kauft vom Hamburger Investor Karl Ehlerding 60 Prozent an dem Hamburger Unternehmen mit knapp 10.000 Wohnungen in Berlin, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Niedersachsen und Thüringen. Es ist die größte Übernahme in der Geschichte des Wiener Konzerns, der sein Portfolio in Deutschland ausbauen will. "Wir sind auf Expansionskurs und wir sind noch nicht satt", sagte ein Sprecher am Freitag.

An der Börse kamen die Übernahmepläne gut an: Die Conwert-Aktie legte mehr als vier Prozent zu. Der Kurs der KWG-Aktie schoss um mehr als 14 Prozent in die Höhe.

Conwert dürfte für die Übernahme zwischen 70 und 80 Millionen Euro ausgeben. Die Hälfte davon will das Unternehmen in bar bezahlen, die andere Hälfte mit eigenen Aktien. Um das zu stemmen, will Conwert bis Ende 2013 weitere bis zu 2,5 Millionen Aktien zurückkaufen. Die Barzahlung stellt für die Wiener kein Problem dar: Per Ende September hatten sie Barreserven von deutlich mehr als 100 Millionen Euro.

Verkäufer ist der Hamburger Investor Karl Ehlerding, der mit anderen Investoren die Mehrheit an der KWG hielt. Bekannt ist Ehlerding zum einen durch seine rund drei Millionen Euro schwere Parteispende an die deutsche CDU, die einen Untersuchungsausschuss nach sich zog. Danach sorgte er mit dem Engagement seiner Beteiligungsfirma WCM bei der Commerzbank für Schlagzeilen.

Das österreichische Unternehmen folgt mit dem Zukauf einem Trend: Deutsche Wohnimmobilien sind bei Investoren derzeit sehr begehrt, weil sie in unsicheren Zeiten durch die Schuldenkrise sichere und stabile Renditen versprechen. Entsprechend groß ist die Konkurrenz bei zum Verkauf stehenden Wohnungspaketen wie jenem der BayernLB-Tochter GBW. An deren 32.000 Wohnungen in Süddeutschland sind etwa die österreichische Immofinanz sowie Kreisen zufolge die Augsburger Patrizia Immobilien, bayerische Kommunen und Conwert interessiert - jeweils im Verbund mit Versicherern und Pensionsfonds, die eine gute Anlage für ihr Geld suchen. Der Conwert-Sprecher wollte sich dazu nicht äußern.

ZUKAUF SOLL ERTRAGSKRAFT VON CONWERT STEIGERN

Bislang zählte Conwert mit 16.000 Wohnungen in Deutschland eher zu den kleineren Spielern. Mit der Übernahme der KWG vergrößern die Wiener ihr Portfolio auf 24.500 Wohnungen. Durch die Übername erwarte Conwert "signifikante Synergiepotenziale sowie eine deutliche Steigerung der Rentabilität des Gesamtportfolios", heißt es in der Mitteilung. Im vergangenen Jahr verbuchte die KWG einen Jahresgewinn von knapp zehn Millionen Euro. Bei Conwert waren es 18,5 Millionen Euro.

Die positiven Effekte sollten sich schon bald in der Bilanz des Wiener Unternehmens widerspiegeln: Nach dem bis Ende Januar erwarteten grünen Licht der Kartellwächter will Conwert die KWG bereits zum ersten Quartal 2013 in die Bücher nehmen. Auf "absehbare Zeit" solle die neue Tochter weiter an der Börse notieren, erklärte der Sprecher.