Finanzinvestoren blättern mehr Geld für deutsche Unternehmen hin

Freitag, 28. Dezember 2012, 08:56 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Finanzinvestoren haben für Unternehmenskäufe in Deutschland im zu Ende gehenden Jahr wieder deutlich tiefer in die Tasche gegriffen.

Nach einer Studie von Ernst & Young gaben sie für 105 Firmen mehr als 13,7 Milliarden Euro aus, während sie 2011 nur 5,5 Milliarden Euro in 110 Unternehmen gesteckt hatten. Fünf Übernahmen ließen sich die Private-Equity-Gesellschaften sogar mehr als eine Milliarde Euro kosten.

Doch von den Boomzeiten vor 2008, als die Branche für mehr als 30 Milliarden Euro einkaufte, bleibt sie weit entfernt, wie Alexander Kron, Chef der Transaktionsberatung bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, am Donnerstag sagte: "Dass es wieder einige Milliardentransaktionen in Deutschland gab, ist ein ermutigendes Signal. Ein nachhaltiger Aufschwung des Private-Equity-Marktes ist das aber noch nicht."

Die Zurückhaltung der Banken bei der Finanzierung und das mangelnde Angebot an geeigneten Übernahmezielen bremsten die Branche weiterhin, erklärte Ernst & Young. Käufer und Verkäufer lägen bei den Preisvorstellungen weit auseinander. "Angesichts der sehr unsicheren Konjunkturentwicklung verlangen die Investoren zum Teil massive Preisabschläge - daran sind in diesem Jahr einige Deals gescheitert", sagte Kron. Gerade unter den Mittelständlern, auf deren Unternehmen die Finanzinvestoren seit Jahren schielen, sei die Verkaufsbereitschaft gering. Sie hätten in der Krise so dicke Eigenkapitalpolster aufgebaut, dass sie kein frisches Geld brauchten, erklärte Ernst&Young-Partner Wolfgang Taudte.

Schwer fällt den Finanzinvestoren auch der Ausstieg aus den Beteiligungen. Nur 62 (2011: 87) Firmen aus den Portfolien der Private-Equity-Gesellschaften wurden für 10,0 (11,4) Milliarden Euro verkauft. An die Börse schaffte es 2012 kein Unternehmen aus ihrem Besitz - 2011 waren ihnen fünf Börsengänge gelungen. Allerdings hoffen zahlreiche Beteiligungsgesellschaften auf das Jahr 2013: Als aussichtsreiche Börsenkandidaten werden etwa die Immobilienkonzerne LEG und Deutsche Annington, der Gabelstapler-Hersteller Kion und der Wissenschaftsverlag Springer Science genannt.

Die Übernahme des E.ON-Gasnetzes Open Grid Europe durch ein Konsortium um den australischen Infrastruktur-Investor Macquarie war mit 3,2 Milliarden Euro immerhin der zweitgrößte Kauf eines deutschen Unternehmens im Jahr 2012. Über der Milliardenschwelle lagen außerdem die 2,26 Milliarden Euro schwere Übernahme des Messtechnik-Spezialisten Elster durch die zum Finanzinvestor CVC gehörende britische Melrose plc und der Kauf des Leukoplast-Herstellers BSN Medical für 1,8 Milliarden Euro durch die schwedische EQT. Der Investor Advent ließ sich die Übernahme des Hagener Einzelhandelskonzerns Douglas 1,6 Milliarden Euro kosten, Lone Star zahlte für die staatliche Immobilien-Holding TLG 1,09 Milliarden Euro.