Daimler-Chef will Mercedes selbst an die Spitze fahren

Samstag, 29. Dezember 2012, 15:29 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Daimler-Chef Dieter Zetsche hat seine Kampfansage an die Rivalen Audi und BMW verschärft.

Der Manager will die Konkurrenten schneller als zuletzt angekündigt bei Ertragskraft und Absatz überrunden. Das Ziel, Mercedes-Benz bis 2020 wieder zur Nummer eins zu machen, soll nach Möglichkeit bereits früher erreicht werden, wie Zetsche in einem am Samstag veröffentlichten Interview der "Börsen-Zeitung" andeutete. "Ich bin zuversichtlich, dass wir spätestens 2020 wieder vor den Wettbewerbern liegen", sagte er dem Blatt. Er ergänzte aber: "Ich habe natürlich den persönlichen Ehrgeiz, dass wir nicht bis 2020 brauchen, sondern schon während meiner eigenen Verantwortung deutlich nach vorn kommen." Der Vertrag des 59-Jährigen wird im Februar voraussichtlich um drei Jahre verlängert.

Die Rivalen seien Mercedes nicht nur bei Absatz und Gewinn davongefahren, sondern auch in der Produktivität, räumte Zetsche in dem Interview ein. Zwar habe sein Konzern Boden gutgemacht, indem er die Zeit für den Bau eines Autos auf 40 von 60 Stunden gesenkt habe. "Wir wollen nun auf 30 Stunden kommen und die zuletzt größer gewordene Lücke wieder schließen."

Um aufzuholen, will Zetsche vor allem das Geschäft in China auf Vordermann bringen. "Es gibt keinen Grund, warum wir in China nicht eine ähnlich starke Position erobern sollten wie in anderen Märkten, wo wir etwa gleichauf mit BMW und Audi liegen", sagte der Manager weiter. Eine Abkühlung des Wachstums im Reich der Mitte erwartet er nicht, wo Daimler gerade seine Vertriebsgesellschaften bündelt. Davor hatte sich Daimler mit separaten Vertriebsgesellschaften für importierte Autos und die vor Ort gefertigten Fahrzeuge selbst Konkurrenz gemacht. Mitte Dezember hatte der Konzern eigens für den chinesischen Markt einen neuen Vorstandsposten geschaffen und den Nutzfahrzeugmanager Hubertus Troska in das Amt berufen.

Für die großen Premiumautobauer wird China neben den USA immer wichtiger, um die Krise in Westeuropa wettzumachen. In der Volksrepublik können sich immer mehr Menschen aus der aufstrebenden Mittelschicht Luxuslimousinen leisten und bescheren den Autobauern dadurch satte Gewinne. Mercedes kämpft auf dem wichtigen Wachstumsmarkt aber mit massiven Problemen. Dort sieht die Nobelmarke aus Stuttgart nur die Rücklichter der Rivalen BMW und Audi und fährt auch dem Marktwachstum hinterher.

MEHR NUTZEN AUS PAKT MIT RENAULT - VAGE ZUR DIVIDENDE

Zetsche schwärmte in dem Interview vom Pakt mit Renault-Nissan. "Die Synergiepotenziale sind sehr viel weitergehend als ursprünglich erwartet", sagte er weiter. "Renault-Nissan-Chef Carlos Ghosn und ich sind beide positiv überrascht, was möglich war und noch möglich sein wird." Beide Firmen arbeiten beispielsweise in der Motorenproduktion zusammen. Insgesamt sehe er Synergien im Milliardenbereich.

Daimler-Aktionäre müssen trotz Zetsches Äußerungen zur Dividende in dem Interview weiter auf konkrete Ansagen zu ihrer Gewinnbeteiligung warten. "Wir streben eine Ausschüttungsquote von etwa 40 Prozent an. Und wir haben eine recht konkrete Prognose für das Jahresergebnis gegeben." Daraus könnten Aktionäre sich ihre Vorstellungen machen, sagte Zetsche. Das Potenzial der Daimler-Aktie sei zudem größer als das der Anteilsscheine der Rivalen, urteilte der Daimler-Chef. Während die VW-Aktie 2012 um 48,7 Prozent zulegte und BMW-Aktionäre sich über einen Kursgewinn von 40,9 Prozent freuen konnten, legten die Papiere des Stuttgarter Autobauers nur um 21,8 Prozent zu.

Dem "manager magazin" zufolge bereitet Daimler die Anleger auf eine niedrigere Dividende vor. Investor-Relations-Manager des Autobauers hätten Investoren und Analysten darauf hingewiesen, dass eine Ausschüttung in Höhe von zwei Euro realistischer sei als die 2,20 Euro je Aktie, die für das vergangenen Geschäftsjahr ausgeschüttet worden waren. Nach Daten von Thomson Reuters erwarten die meisten Analysten eine stabile Dividende. Nach einer Gewinnwarnung Ende Oktober hatte Finanzchef Bodo Uebber erklärt, von dem 2012 erwarteten Nettoergebnis her könne Daimler die Dividende stabil halten.

 
Daimler AG's Chief Executive Officer Dieter Zetsche gives a speaks next to the new Mercedes-Benz A Class model on media day at the Paris Mondial de l'Automobile September 27, 2012. REUTERS/Jacky Naegelen