Modekette SinnLeffers muss sich nach Übernahme bewähren

Freitag, 4. Januar 2013, 16:24 Uhr
 

Hagen (Reuters) - Die Modekette SinnLeffers will mit dem Konkurrenten Wöhrl als neuem Eigner ihren ausländischen Rivalen wie Zara oder H&M trotzen.

Der Nürnberger Modehaus-Unternehmer Gerhard Wöhrl kündigte am Freitag in Hagen in der SinnLeffers-Zentrale an, die Kette mit rund 2000 Beschäftigten vom Finanzinvestor DIH zu übernehmen. SinnLeffers ist vor allem in Nordrhein-Westfalen aktiv, die Wöhrl-Gruppe hat mit 38 Filialen ihren Schwerpunkt im Süden und Osten der Republik. Beide Ketten ergänzten sich damit ideal, betonte Wöhrl. SinnLeffers müsse sich nun aber bewähren: "Ich kann nicht mehrere Jahre der Stagnation hinnehmen", unterstrich er. Das Bundeskartellamt muss der Übernahme nun noch zustimmen.

Die ehemals zu KarstadtQuelle (Arcandor) gehörende SinnLeffers hat eine bewegte Geschichte hinter sich und ist in den vergangenen Jahren durch eine harte Sanierung gegangen. 2005 von der Deutschen Industrie-Holding (DIH) gekauft, überstand sie 2008 eine Planinsolvenz, mit der das Filialnetz deutlich gestrafft wurde. Von Anfang 2009 bis 2012 habe die Kette den Umsatz um sieben Prozent gesteigert und arbeite profitabel, sagte SinnLeffers-Geschäftsführer Karsten Oberheide. Zuletzt erwirtschafteten die 22 Filialen einen Umsatz von gut 300 Millionen Euro. SinnLeffers beschäftigt knapp 2000 Mitarbeiter.

Unter denen sei die Stimmung zuletzt "emotional aufgeladen" gewesen, als Berichte über einen Eigerwechsel die Runde machten, berichtete Oberheide. Wöhrl habe aber persönlich an einer Betriebsversammlung in Hagen teilgenommen, er hoffe, dass Ängste nun beseitigt seien. SinnLeffers solle als "Haus der starken Marken" der Konkurrenz die Stirn bieten.

Die Gewerkschaft Verdi fürchtet um die Löhne der Mitarbeiter, weil Wöhrl nicht an den Einzelhandelstarif gebunden sei. Für SinnLeffers gilt ein Anerkennungstarifvertrag. "Wer Geld für Expansion in dieser Größenordnung hat, sollte auch Geld für eine tarifgerechte Entlohnung der Beschäftigten haben", forderte der Bundesvorstand. Noch unklar sei auch das Schicksal der Hauptverwaltung in Hagen.

Wöhrl komme gemeinsam mit SinnLeffers künftig auf insgesamt 60 Modehäuser, beschäftige über 4000 Mitarbeiter und erwirtschafte von mehr als 600 Millionen Euro Umsatz, sagte der Unternehmer Wöhrl. Die DIH erhalte von der Unternehmer-Familie einen "angemessenen Preis", unterstrich der Geschäftsführende Gesellschafter der DIH, Patrick Feller - "sonst hätten wir nicht verkauft". Die Zukunft von SinnLeffers hänge davon ab, wie sich die Kette am Markt behaupte, sagte Wöhrl. Der Zukauf müsse zumindest leichte Steigerungen bei Umsatz und Ertrag liefern.

Im deutschen Textilhandel herrscht erbitterter Wettbewerb. SinnLeffers und Wöhrl müssen auch gegen international agierende Ketten wie H&M oder Zara antreten. SinnLeffers setzt dabei kaum auf Eigenmarken - vielmehr verkauft die Kette Marken wie Hugo Boss, Gant oder Tom Tailor. Doch drängen Modekonzerne wie Tom Tailor und Gerry Weber verstärkt mit eingenen Läden in den stationären Handel. Tom Tailor hatte im November die Modekette Bonita übernommen. Der Hemdenhersteller Eterna hatte mit einer Anleihe Millionen eingesammelt, die auch in die Ausweitung des Filialnetzes gesteckt werden. Die Hersteller wollen damit die gesamte Wertschöpfungskette abdecken.