Wohnungskonzern LEG will erster Börsenneuling 2013 sein

Montag, 7. Januar 2013, 15:01 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Der nordrhein-westfälische Wohnungskonzern LEG will der Eisbrecher für Börsengänge im neuen Jahr sein:

Das Düsseldorfer Unternehmen und seine Eigentümer, die Whitehall-Immobilienfonds von Goldman Sachs und der Finanzinvestor Perry Capital, kündigten den Schritt am Montag für das erste Halbjahr an und bestätigten damit Reuters-Informationen vom Dezember. Finanzkreisen zufolge peilt die LEG die Erstnotiz im streng regulierten Frankfurter Prime Standard sogar schon Anfang Februar an, denn der Aktienmarkt läuft rund und der Appetit der Investoren auf Immobilienanlagen ist ungebrochen.

Whitehall und Perry, die die LEG dem Land 2008 abgekauft hatten, wollten zunächst nur einen Minderheitsanteil abgeben, weil die LEG - deren Wohnungsbestand abzüglich Schulden (NAV) mit rund 2,4 Milliarden Euro bewertet wird - ein zu großer Brocken sei, berichteten mehrere mit den Überlegungen vertraute Personen. "Etwa ein Drittel der Anteile soll platziert werden, aber das kann sich noch ändern, je nachdem wie sich die Börse entwickelt", sagte einer der Insider. Damit bliebe das Volumen der Emission wohl unter der Milliardenschwelle. Für den Einzug in den Nebenwerte-Index MDax würde es aber allemal reichen.

Die LEG wäre der größte Börsengang eines Immobilienunternehmens in Deutschland seit der Berliner GSW im Frühjahr 2011 und könnte den Weg auch für den regionalen Konkurrenten Deutsche Annington bereiten, der in diesem Jahr ebenfalls an die Börse strebt. Die LEG verwaltet 91.000 Wohnungen und zählt damit zu den Schwergewichten der Branche. Whitehall und Perry hatten bei der Übernahme 2008 an das Land Nordrhein-Westfalen 3,4 Milliarden Euro gezahlt und dabei 2,6 Milliarden Euro Schulden übernommen.

Die Refinanzierung der seither nur leicht gesunkenen Verbindlichkeiten war die größte Hürde für den Börsengang - und ist seit 2012 abgeschlossen, die Zahl der Gläubiger und Kredite sank. Die LEG sieht sich nun langfristig solide finanziert, die Kredite laufen im Schnitt noch zwölf Jahre.

Begleitet wird der Börsengang federführend von Goldman Sachs und der Deutschen Bank.

GÜNSTIGER WOHNRAUM - MIT SOZIALCHARTA

Die LEG wirbt um Investoren damit, dass sie in NRW billigen Wohnraum anbietet, der angesichts der vielerorts rasant steigenden Mieten dringend benötigt wird. Entsprechend niedrig ist der Leerstand. 2011 erwirtschaftete das Unternehmen einen Mittelzufluss im operativen Geschäft (FFO) von 112 Millionen Euro. Der FFO ist die für Immobilienfirmen maßgebliche Ertragskennziffer - und die Grundlage für Dividendenzahlungen. Grundlage für den Börsengang soll der Zwischenabschluss zum 30. September sein. "Durch den soliden Cash-Flow bietet die LEG nachhaltig attraktives Dividendenpotenzial", erklärte das Unternehmen. Geschäftsführer Thomas Hegel sagte, die LEG habe den Umbau "von einem landeseigenen öffentlich-rechtlichen Wohnungsversorger und Stadt- und Projektentwickler hin zu einem privatwirtschaftlichen Wohnungsunternehmen" geschafft. Die mit dem Land vereinbarten Mieterschutzrechte sollen auch nach einem Börsengang weiter gelten.

Der Erlös aus dem Börsengang fließt in die Taschen der Eigner, die seit längerem auf einen günstigen Zeitpunkt für den Ausstieg warten. Eine Kapitalerhöhung, die der LEG frisches Geld für das Wachstum einbringen könnte, ist Insidern zufolge nicht geplant.

Das Auf und Ab am Aktienmarkt, das eine Preissetzung für Börsengänge lange erschwert hatte, hat sich in den vergangenen Wochen in einen deutlichen Aufwärtstrend gewandelt. Mit Telefonica Deutschland gab es im Herbst sogar erstmals seit fünf Jahren einen milliardenschweren Börsengang in Deutschland. Die Experten der Unternehmensberatung PwC rechnen 2013 mit bis zu 14 Initial Public Offerings (IPOs) hierzulande. Die übrigen Kandidaten dürften jedoch erst nach Ostern in die Gänge kommen, weil sie ihren Börsenprospekt auf den Geschäftszahlen für das Gesamtjahr 2012 aufbauen, die in der Regel frühestens im Februar fertig sind.