Praktiker bremst Umsatzrückgang - mit neuen Rabatten

Dienstag, 8. Januar 2013, 11:33 Uhr
 

Hamburg (Reuters) - Praktiker hat seinen Umsatzrückgang mit Hilfe von neuen Rabatten gebremst.

Nach monatelangem Gezerre um die Zukunft des Baumarktkonzerns sanken die Erlöse im Schlussquartal weniger stark als zuvor. Praktiker bezeichnete die Rückkehr zur Billigstrategie ("20 Prozent auf alles") am Dienstag jedoch als vorübergehend. Auf die Frage, ob das Unternehmen nun wieder zur Rabatt-Droge greife, antwortete ein Sprecher: "Wir nippen nur daran". Preisabschläge seien nicht Kern der künftigen Strategie.

Der vom Saarland nach Hamburg umgezogene Konzern war duech jahrelange Rabattschlachten in Schieflage geraten. Im Schlussquartal hatte Praktiker damit begonnen, Filialen auf die profitablere Zweitmarke Max Bahr umzustellen. Während des Umbaus ruhte das Geschäft in 27 Läden für vier Wochen, zog nach Angaben des Unternehmens danach aber deutlich an. Dadurch und aufgrund der Schließung von elf Standorten sank der Umsatz der Praktiker-Baumarktkette in Deutschland um 5,5 Prozent, während er bei Max Bahr um knapp neun Prozent zulegte. Insgesamt schrumpften die Erlöse von Oktober bis Dezember in Deutschland binnen Jahresfrist um 1,4 Prozent auf 502 Millionen Euro. Da auch das Geschäft im Ausland nachgab, sank der Konzernumsatz um 2,7 Prozent auf 696 Millionen Euro. In den ersten neun Monaten hatte das Ringen um die Abwendung der Pleite Lieferanten und Kunden abgeschreckt und so für einen deutlicheren Umsatzrückgang von 6,5 Prozent gesorgt.

RITT AUF DER RASIERKLINGE

Praktiker hatte sich im vergangenen Jahr von der gescheiterten Billigstrategie verabschiedet und setzt nun verstärkt auf die Marke Max Bahr, die im Hochpreis-Segment angesiedelt ist und durch die Umbenennung von Praktiker-Märkten auch in den Süden Deutschlands vordringen soll.

Durch den gebremsten Umsatzrückgang sieht sich das Management in seinem Sanierungskurs bestärkt. Insbesondere die Entwicklung der zuletzt auf Max Bahr umgestellten Märkte zeige bei Umsatz und Ertrag einen deutlich positiven Trend, berichtete Vorstandschef Armin Burger. Den Jahresabschluss will der Konzern Ende März bekannt geben. Insgesamt erzielte der Konzern im abgelaufenen Jahr einen Umsatz von gut drei Milliarden Euro, 5,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Anleger fassten Vertrauen in die Praktiker-Aktie. Das im Kleinwerteindex SDax gelistete Papier legte zu Handelsbeginn um knapp fünf Prozent zu, danach bröckelte der Kursaufschlag etwas.

Praktiker hatte im Herbst wesentliche Teile eines rettenden Finanzierungspakets unter Dach und Fach gebracht. Damit endete vorerst ein heftiger Streit mit den Großaktionären, die das alte Management und die zunächst angepeilten Zugeständnisse an Geldgeber kritisiert hatten. Mehrere Kreditgeber gewähren nun Darlehen über 75 Millionen Euro. Weitere 60 Millionen hat Praktiker mit einer Kapitalerhöhung erlöst. Die noch fehlenden rund 30 Millionen Euro will Praktiker durch den Verkauf von Baumärkten im Ausland einnehmen. Einen Großteil des Geldes braucht der Baumarktkonzern, um mehr als 100 der zuletzt 220 Praktiker-Märkte im Inland auf Max Bahr umzustellen.