ThyssenKrupp weist Vorwürfe von Aktionären zurück

Dienstag, 8. Januar 2013, 16:34 Uhr
 

Düsseldorf (Reuters) - ThyssenKrupp hat vor der mit Spannung erwarteten Hauptversammlung die Kritik von Aktionären an Vorstand und Aufsichtsrat zurückgewiesen.

Die eingereichten Gegenanträge seien unbegründet, erklärte das Unternehmen am Dienstag. Zu Einzelfragen werde die Führung auf der Hauptversammlung am 18. Januar in Bochum Stellung nehmen. Der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre will dem Vorstand und dem Aufsichtsrat unter anderem wegen des Desasters bei den neuen Stahlwerken in Übersee die Entlastung verweigern. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hat das Kontrollgremium und drei zum Jahresende ausgeschiedenen Vorstände ebenfalls ins Visier genommen.

Die Aktionärsschützer monieren, dass der Aufsichtsrat seinen Kontrollpflichten nicht ausreichend nachgekommen sei. Zudem sei nicht aufgeklärt, wie es zu den Kartellrechtsverstößen bei der Schienentochter und der Kostenexplosion bei den neuen Stahlwerken in Brasilien und den USA kommen konnte. ThyssenKrupp hatte wegen des Schienenkartells eine Strafe von rund 100 Millionen Euro zahlen müssen und nach Abschreibungen auf die Stahlwerke in Übersee im Geschäftsjahr 2011/12 einen Verlust von fünf Milliarden Euro eingefahren.

Das Unternehmen erklärte nun, dass es das Vorgehen des Aufsichtsrats im Zusammenhang mit den Stahlwerken erneut mit Hilfe externer Experten untersucht habe. "Diese Prüfung ist zu dem Ergebnis gekommen, dass die Mitglieder des Aufsichtsrats der ThyssenKrupp AG ihre organschaftlichen Pflichten im Zusammenhang mit den Steel-Americas-Projekten zu jedem Zeitpunkt eingehalten haben."

Eine Verweigerung der Entlastung wäre in erster Linie von symbolischer Bedeutung und ohne weitreichende praktische Folgen. Eine Mehrheit für die Gegenanträge ist unwahrscheinlich, da die mächtige Krupp-Stiftung die Kritik abschmettern dürfte. Sie hält gut 25 Prozent an dem Konzern. Im Zentrum der Kritik steht Aufsichtsratschef Gerhard Cromme, der seit 2001 das Gremium leitet und die Stahlwerkspläne von Anfang an begleitet hat. Er lehnt einen Rücktritt ab.

 
The headquarters of Germany's industrial conglomerate ThyssenKrupp AG is pictured before its annual news conference in Essen December 11, 2012. REUTERS/Ina Fassbender