VW kappt Zusammenarbeit mit Daimler bei Transportern

Mittwoch, 9. Januar 2013, 16:56 Uhr
 

Hamburg/Stuttgart (Reuters) - VW gibt die Zusammenarbeit mit Daimler beim Bau von Transportern einem Unternehmensinsider zufolge auf.

Derzeit würden die Weichen dafür gestellt, das nächste Crafter-Modell alleine zu bauen, sagte ein Manager mit Kenntnis der Beratungen am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. "Es gibt ganz klar den Auftrag an die VW-Nutzfahrzeug-Sparte, einen Crafter-Nachfolger zu entwickeln." Wo das neue Modell produziert werden solle, sei noch offen. Darüber berichtete auch die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" (HAZ) in ihrer Mittwochausgabe.

Bislang lässt VW den Transporter von Daimler in Düsseldorf und Ludwigsfelde bauen. Er ist technisch weitgehend identisch mit dem Sprinter von Mercedes-Benz. Der Kooperationsvertrag läuft 2016 aus.

Eine Trennung wird schon seit längerem erwartet. VW hatte nach der Übernahme von MAN zunächst eine gemeinsame Entwicklung mit dem Münchner Nutzfahrzeug- und Maschinenkonzern erwogen. VW-Aufsichtsrat Ferdinand Piech gilt seit längerem als Gegner der Zusammenarbeit mit Daimler. "Ich bin überzeugt, das machen MAN und VW viel besser, ohne dass man den Wettbewerber reicher macht", sagte er im Frühjahr vor MAN-Aktionären. Allerdings stehen einer gemeinsamen Entwicklung mit der Schwestermarke aus München offenbar technische Gründe entgegen. MAN ist stark bei Lastwagen und Bussen, während Transporter eher dem Pkw-Bau nahestehen. Nun soll es - ähnlich dem Kooperationsmodell mit Daimler - eine eigene Crafter-Variante von MAN geben, bei der die Münchner die Technik von VW übernehmen und dem Wagen ein eigenes Gesicht geben, wie es in Unternehmenskreisen heißt.

Daimler hatte für eine Verlängerung der Zusammenarbeit mit VW geworben und seinen Partner Renault in einen Dreierbund einbringen wollen. Mercedes verkauft jährlich mehr als 150.000 Sprinter in aller Welt, VW kommt auf knapp 50.000 Crafter und konzentriert sich dabei auf Europa.