Telekom-Riesen verfolgen keine Pläne für Europa-Netz

Mittwoch, 9. Januar 2013, 19:04 Uhr
 

Brüssel/Frankfurt (Reuters) - Europäische Telekom-Riesen verfolgen Insidern zufolge derzeit keine Pläne für ein paneuropäisches Netz.

Es habe mit EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia am 28. November einen allgemeinen Austausch gegeben, sagten mehrere mit dem Vorgang Vertraute am Mittwoch zu Reuters. "Die Gespräche haben sich um die Konsolidierung in Europa und um die gemeinsame Nutzung von Netzen gedreht und nicht um einen einheitlichen Markt oder ein einheitliches Telekom-Netz in Europa", sagte einer der Insider.

Die "Financial Times" berichtete, dass Topmanager der Telefonkonzerne mit Almunia über den Aufbau einer länderübergreifenden Infrastruktur beraten hätten. Neben der Deutschen Telekom seien auch France Telecom, Telecom Italia und der spanische Marktführer Telefonica vertreten gewesen. Die Unternehmen wollten nun Vorschläge unterbreiten, wie der Markt in Europa besser verbunden werden könne. Einwände drohten allerdings von den nationalen Aufsichtsbehörden, schrieb die Zeitung.

Bei Anlegern kam der Bericht gut an. Die Telekom-Aktien legten im Dax 3,4 Prozent auf 9,14 Euro zu und zählten damit zu den größten Gewinnern. Die Aktien von France Telecom und Telefonica zogen um rund vier Prozent und Scheine von Telecom Italia sogar um knapp neun Prozent an. "Wenn man sich die Infrastruktur teilt, ist das eine Senkung der Kosten", fasste ein Händler zusammen. Das sei zwar nicht ganz neu, helfe den Aktien aber dennoch.

Ein Sprecher des EU-Kommissars bestätigte das Treffen. Bei den Gesprächen sei es ganz allgemein um den Wettbewerb in der Branche und insbesondere um die Konsolidierung und die Herangehensweise der EU bei der Genehmigung von Übernahmen gegangen. Almunia habe zudem seine Ansicht zum Ausdruck gebracht, das ein "echter einheitlicher Markt in dem Sektor wünschenswert" sei.

Die Telekom-Märkte in Europa sind zersplittert. Die Zahl der Festnetzanbieter liegt bei gut 1200, und mehr als 100 Firmen betreiben eigene Mobilfunknetze. Experten verweisen zum Vergleich auf die USA: Dort gibt es lediglich vier Mobilfunker, die ihre Dienste im gesamten Land anbieten. Ein Zusammengehen der europäischen Telefonfirmen sei also überfällig. Zudem könnte die Branche geeint besser mit globalen Technologiekonzernen wie Google oder Apple konkurrieren.