Nach dem großen Crash - USA verschärfen Hypothekenregeln

Donnerstag, 10. Januar 2013, 13:00 Uhr
 

Washington (Reuters) - Großzügige Immobiliendarlehen für klamme Familien ohne jeden Spargroschen?

Unübersichtliche Zinsen, die Häuslebauer in die Schuldenfalle treiben? Das soll es in den USA nicht mehr geben. Dort wacht jetzt die Verbraucherschutzbehörde Consumer Financial Protection Bureau (CFPB) darüber, dass die Banken ihren Kunden nicht mehr wahllos Verträge aufschwatzen und sich an jene Grundregel halten, die im Rest der Welt schon lange gilt: Gib nur demjenigen Kredit, der es sich leisten kann. Bis Januar 2014 haben die Institute Zeit, die nun vorgestellten Vorgaben umzusetzen. Die Botschaft ist klar - nie wieder soll es einen Crash auf dem amerikanischen Häusermarkt geben wie 2007, als viele faule Kredite Milliardenlöcher in die Bankbilanzen rissen und später die gesamte Weltwirtschaft ins Wanken brachten.

"Wenn die Kunden einen Hypothekenvertrag unterzeichnen, dann sollte nicht von Anfang an klar sein, dass sie daran zugrundegehen", erklärte CFPB-Direktor Richard Cordray am Donnerstag bei der Vorstellung des neuen Regelwerks. Seine Behörde gehört zu den bedeutendsten Neuerungen im Zuge der Finanzmarktreform Dodd-Frank-Act von 2010, die für mehr Transparenz an der Wall Street sorgen soll. Im Sommer 2011 ging die CFPB offiziell an den Start, seither sammelte sie Daten vom US-Häusermarkt.

Jetzt kommt die Kampfansage an mächtige Finanzkonzerne wie Bank of America, JP Morgan und Citigroup, die jahrelang quasi doppelt am heimischen Immobiliengeschäft verdienten - schließlich konnten sie die ausgereichten Kredite minderer Qualität (Subprime) auch noch verbriefen und als hochkomplexe Wertpapiere weltweit an Investoren verkaufen. Erst als die Kreditnehmer ihre Schulden reihenweise nicht mehr bedienen konnten und die Immobilienpreise wegen Zwangsversteigerungen ins Bodenlose stürzten, fiel das Geschäftsmodell in sich zusammen.

PRÄDIKAT SICHERHEIT - FÜR BEIDE SEITEN

Zwar wird die Finanzlobby nicht müde zu betonen, die strengen Vorgaben der CFPB könnten die Kreditvergabe drastisch einschränken und die gerade erst begonnene Erholung der US-Wirtschaft schnell wieder abwürgen.

Doch im Kern sind die Auflagen bestechend einfach: Die Finanzinstitute müssen die Kreditwürdigkeit ihrer Kunden streng prüfen und Einkommen, berufliche Position und Schuldenstand genau unter die Lupe nehmen. Die Gesamtschulden sollen in der Regel 43 Prozent des Einkommens des Kreditnehmers nicht übersteigen. Die Darlehen wiederum müssen so einfach wie möglich strukturiert und günstiger angeboten werden. Vor allem dürfen sie keine riskanten Finanzierungsoptionen mehr beinhalten - etwa sehr große Rückzahlungssummen am Ende der Laufzeit (balloon payments).

Nur wenn alle diese Bedingungen erfüllt sind, ist von "qualifizierten" Hypotheken die Rede. Die CFPB argumentiert, am Ende profitierten beide Seiten: Der Kunde, weil er faire Kreditbedingungen bekomme, und die Bank, weil sie sich mit diesen Verträgen einen Extra-Schutz vor Schadenersatzklagen sichere. Neben diesen besonders sicheren Darlehen sind weitere Abstufungen möglich - künftig allerdings ebenfalls streng reglementiert.

Von den US-Banken, die die neuen Vorgaben der Verbraucherschutzbehörde mit Spannung erwartet hatten, gab es zunächst keine Reaktion. Sie sind mit den Aufräumarbeiten aus der Hypothekenkrise unterschiedlich weit. Während die Bank of America noch immer mit milliardenschweren Vergleichen beschäftigt ist, die den Gewinn auffressen, verdient etwa Branchenriese JP Morgan schon wieder prächtig. Die Schere dürfte sich auch in den Jahresbilanzen 2012 zeigen, die die US-Häuser ab der kommenden Woche vorlegen.