Euribor-Organisatoren schlagen Alarm - Angst vor Austrittswelle

Donnerstag, 10. Januar 2013, 17:55 Uhr
 

London (Reuters) - Immer mehr Banken steigen aus der Erhebung des Euribor aus und treiben den Organisatoren des europäischen Referenzzinssatzes damit Sorgenfalten auf die Stirn.

"Wir erwarten zwar nicht, dass mehr Banken aussteigen, aber es kann natürlich passieren", sagte Euribor-EBF-Direktor Cedric Quemener am Donnerstag in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. Nach dem Austritt eines angesehenen Instituts wie der niederländischen Rabobank könnten auch andere Banken ihre Teilnahme überdenken, warnte Quemener. "Wir haben Angst vor einem Domino-Effekt."

Wie die Rabobank machen auch die BayernLB und die Deka nicht mehr bei der Festsetzung des Euribor mit, die österreichische Raiffeisen Bank International steigt nächste Woche aus. Die deutschen Landesbanken LBBW und NordLB prüfen ebenfalls, ob sie bei der Erhebung weiter mitmachen wollen. Der Ausstieg der Banken droht die Pläne von Politikern und Aufsehern zu untergraben, die den Euribor angesichts der jüngsten Skandale reformieren und zuverlässiger machen wollen. Je weniger Institute bei der Festlegung mitmachen, desto einfacher ist es jedoch für einzelne, den Satz durch falsche Angaben zu verzerren.

Die Euribor-EBF ist eine gemeinnützige Organisation, bei der die Institute einmal täglich die Zinsen melden, zu denen sich Banken untereinander Geld leihen. Auf dieser Basis wird dann der Euribor-Referenzzins ermittelt, an dem sich die Preise für viele Finanzprodukte wie Hypotheken oder Tagesgeld orientieren. Die Ermittlungsbehörden verdächtigen Banken, den Euribor und den Londoner Interbankenzins Libor während der Finanzkrise durch falsche Angaben zu ihren Gunsten manipuliert und dadurch Handelsgewinne eingestrichen zu haben.

Die EU-Kommission prüft deshalb seit einiger Zeit, wie sich der Euribor reformieren lässt. Nach Ansicht von Quemener dauert das allerdings zu lange. "Das größte Problem ist die Zeit, die sich die EU-Kommission nimmt. Die Banken haben keine Klarheit, was passieren wird", sagte Quemener. "Banken wollen keine Risiken eingehen - weder für die Reputation noch für die Finanzen." Dies sei ein Grund dafür gewesen, warum die Rabobank aus dem Euribor-Panel ausgestiegen sei. Auch deutsche Banken haben Angst vor teuren Prozessen, falls es bei der Erhebung oder Übermittlung der Euribor-Daten zu Fehlern kommt.