Berater spielen angeblich Fusion Praktiker/Baumax durch

Freitag, 11. Januar 2013, 11:36 Uhr
 

Wien/Frankfurt (Reuters) - Unternehmensberater klopfen einem Magazinbericht zufolge Kooperationsmöglichkeiten zwischen der angeschlagenen Hamburger Baumarktkette Praktiker und dem österreichischen Rivalen Baumax ab.

Roland Berger arbeite an Konzepten für eine engere Zusammenarbeit bis hin zu einer Fusion der beiden Unternehmen, berichtete das österreichische Magazin "Format" am Freitag. So weit ist es einem Insider zufolge aber noch lange nicht. "Es gibt keine Verhandlungen", hieß es in Praktiker-Unternehmenskreisen. "Zwei Kranke ergeben noch keinen Gesunden." An der Börse sorgte der Bericht dennoch für Aufsehen: Die Praktiker-Aktie legte um rund sieben Prozent zu.

Dem Bericht zufolge könnten die beiden Unternehmen zunächst in Osteuropa näher zusammenrücken. "Eine gemeinsame Strategie, etwa der Abtausch von Märkten in einzelnen Ländern, ist absolut sinnvoll", zitierte das Blatt aus Praktiker-Kreisen. "So könnte sich jeder auf eine starke Stellung in einzelnen Ländern fokussieren." Bei einer Kooperation könnten die beiden Firmen zudem von einem gemeinsamen Einkauf und Einsparungen bei der Verwaltung profitieren. Allerdings müsse noch die Baumax-Eigentümerfamilie Essl "ins Boot geholt werden", berichtete "Format". Bei der Praktiker-Großaktionärin Isabella de Krassny stießen die Pläne dem Bericht zufolge auf Gegenliebe: "Warum nicht, wenn es für beide Sinn macht?", zitierte sie das Blatt.

Praktiker hatte sich unter anderem mit seiner Expansion in Osteuropa verhoben. Im Zuge der Sanierung könnten die Märkte dort zur Disposition stehen, um Geld in die Kasse zu bringen. Der Verkauf von Baumärkten im Ausland soll 30 Millionen Euro für den Umbau vieler Praktiker-Märkte in Deutschland auf die Zweit-Marke "Max Bahr" bringen. Den Löwenanteil der teuren Sanierung hatte Praktiker im Herbst mühsam mit einer Kapitalerhöhung und mehreren Krediten finanziert.

Das seit 35 Jahren bestehende Familienunternehmen Baumax betreibt rund 160 Baumärkte und ist neben dem österreichischen Heimatmarkt unter anderem in Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Rumänien und Bulgarien vertreten. Erst zu Jahresende 2012 hatte sich Baumax mit den Gläubigerbanken auf eine Verlängerung und Aufstockung der bestehenden Kredite geeinigt. Auch die Familie Essl sicherte weitere Finanzspritzen zu, um dem zuletzt Verluste schreibenden Unternehmen aus Klosterneuburg nördlich von Wien das Überleben zu sichern.