EU will gegen Google strenger vorgehen als US-Behörden

Freitag, 11. Januar 2013, 14:01 Uhr
 

London (Reuters) - Google droht von den Wettbewerbshütern in Europa eine deutlich härtere Behandlung als in der Heimat.

EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia unterstrich in der "Financial Times" (Freitagausgabe) seinen Verdacht, dass der US-Konzern seine dominante Marktmacht im Suchmaschinengeschäft missbraucht. Das Internetunternehmen verdiene Geld damit, indem es bei der Suchfunktion eigene Angebote bevorzuge. "Wir prüfen noch", sagte Almunia. Seine Überzeugung sei aber, dass Google aus geschäftlichem Interesse Internetverkehr umleite. Das Unternehmen müsse seine Suchergebnisse anders präsentieren, forderte Almunia. Sonst müsse es mit einem Kartellverfahren rechnen.

Im Dezember hatte die EU Google ultimativ aufgefordert, im Januar neue Vorschläge zur Lösung des Streits zu unterbreiten. Seit zwei Jahren geht die Gemeinschaft Beschwerden nach, der Konzern nutze seine herausgehobene Stellung, um Konkurrenten wie Microsoft zu blockieren. Den Vorwürfen zufolge gibt der Internetriese den Rivalen bei den Suchergebnissen schlechtere Plätze in der Rangfolge und verschafft eigenen Produkten und Diensten damit einen unfairen Vorteil.

In den USA kam Google jüngst mit einem blauen Auge davon. Zur Enttäuschung der Konkurrenz konnte die dortige Kartellbehörde keine Verfehlung feststellen und stellte ihre Untersuchungen ein. Das Unternehmen machte jedoch kleinere Zugeständnisse und versprach unter anderem nicht mehr so rabiat gegen bestimmte Patentverletzungen vorzugehen.

Almunia führte die verschiedenen Einschätzungen der Wettbewerbshüter auch darauf zurück, dass Google in Europa eine stärkere Position habe als in den USA. Ferner gebe es unterschiedliche Rechtsauffassungen zum Vergehen des Marktmissbrauchs.