Kreise- Daimler will bei China-Partner BAIC einsteigen

Freitag, 11. Januar 2013, 19:44 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Der Autobauer Daimler steht Finanzkreisen zufolge vor dem Einstieg bei seinem an die Börse strebenden chinesischen Partner Beijing Automotive Group (BAIC).

"Daimler könnte beim Börsengang einen Anteil von 10 bis 20 Prozent übernehmen, je nachdem wie die Gespräche mit den Chinesen laufen", sagte eine von drei mit der Transaktion vertrauten Personen, die von den Plänen berichteten. Daimler wollte sich am Freitag dazu nicht äußern. Der chinesische Autobauer, der gemeinsam mit Daimler Mercedes-Fahrzeuge in China herstellt und vertreibt, war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

BAIC will seine Pkw-Sparte in diesem Jahr an die Hongkonger Börse bringen, wie der Chef des vom chinesischen Staat kontrollierten Autobauers, Xu Heyi, bereits im vergangenen September Reuters gesagt hatte. Das Emissionsvolumen solle sich auf mindestens eine Milliarde Dollar belaufen, sagten zwei Insider. Der Börsengang soll von Goldman Sachs und Morgan Stanley organisiert werden. Die Börsenplatzierung könne sich aber auch noch bis ins kommende Jahr verzögern, schränkte ein Insider ein. Ankerinvestoren, die größere Anteilspakete zeichnen, kommen bei Börsengängen immer mehr in Mode, weil die Emittenten damit mehr Sicherheit für einen Erfolg der Platzierung gewinnen.

BAIC-Chef Xu Heyi hatte im September noch mit Einnahmen aus einem Börsengang von rund 1,6 Milliarden Dollar kalkuliert. Mit dem Geld wolle BAIC das Pkw-Geschäft ausbauen und bald eigene Oberklasse-Modelle auf den Markt bringen. Bisher produziert BAIC als Partner von Daimler und Hyundai deren Modelle in China. Zudem hat der fünftgrößte Autobauer der Volksrepublik mit dem E150 einen eigenen Kleinwagen im Programm.

Seit drei Jahren ist China vor den USA der weltgrößter Automarkt, auf dem Daimler aber - wie weltweit - den deutschen Konkurrenten BMW und Audi hinterher fährt. Daimler hatte im Dezember angekündigt, seine beiden konkurrierenden Vertriebskanäle in China zu bündeln, um künftig gewinnschmälernde Rabatte zu vermeiden. An der neuen gemeinsamen Vertriebsgesellschaft für Import-Fahrzeuge und in China gebaute Mercedes-Autos ist BAIC zur Hälfte beteiligt.

CHINA - VOM HOFFNUNGSTRÄGER ZUM STOLPERSTEIN

In China verkauft Daimler derzeit etwa jeden sechsten Pkw. Um wieder Anschluss an die weit vorausfahrende Konkurrenz zu finden, hat Daimler mit dem Nutzfahrzeugmanager und früheren Chef der Tuning-Tochter AMG, Hubertus Troska, eigens einen Vorstand für die Geschäfte im Reich der Mitte berufen. "Daimler könnte sich einen Anteil an einem schnell wachsenden Fahrzeughersteller beteiligen, der mit geringen Kosten produziert", sagte NordLB-Analyst Frank Schwope.

An der Börse war in der vergangenen Woche zudem über den Einstieg des staatlichen chinesischen Investmentfonds China Investment Corporation (CIC) spekuliert worden, nachdem im vergangenen Jahr des Staatsfonds Aabar aus dem arabischen Emirat Abu Dhabi bei den Stuttgartern ausgestiegen war. Ein Insider sagte Reuters allerdings, die Gerüchte über einen Einstieg von CIC mit vier bis zehn Prozent entbehrten jeder Grundlage. Größter Daimler-Aktionär ist das Golf-Emirat Kuwait mit 7,6 Prozent der Anteile, im Gegensatz zu BMW und Audi hat bei Daimler kein einzelner Aktionär eine Sperrminorität.

Vor dem Jahreswechsel hatte Daimler bei Investoren in China die Werbetrommel gerührt. In den kommenden Wochen wird mit der Verlängerung des Vertrages von Vorstandschef Dieter Zetsche um weitere drei Jahre gerechnet, obwohl Daimler für das vergangene Jahr - vor allem wegen der Absatzprobleme in China - einen Einbruch des operativen Gewinns um rund eine auf acht Milliarden Euro erwartet. Die Anleger stimmten die Stuttgarter schon auf eine geringere Dividende für 2012 ein: Eine Ausschüttung in Höhe von zwei Euro sei realistischer als die für 2011 gezahlte Dividende von 2,20 Euro, hatte Daimler vor Jahresende dem Finanzmarkt signalisiert.