Osteuropa macht Österreichs Bankern weiter Kopfschmerzen

Dienstag, 15. Januar 2013, 16:12 Uhr
 

Wien (Reuters) - Die Krise in Teilen Osteuropas dürfte Österreichs Großbanken auch im neuen Jahr fest im Griff haben.

Erste-Group-Chef Andreas Treichl sagte, die Probleme - etwa durch eine zunehmende Regulierung und geringes Wirtschaftswachstum - seien keineswegs überwunden. "Ich glaube, es wird schwierig bleiben."

Die Konkurrenz schloss sich diesem Urteil an. "Wir sind realistisch genug zu sehen, dass auf die Region eine Reihe von Herausforderungen zukommt", sagte Raiffeisen-Bank-International-Chef Herbert Stepic am Dienstag. Neben der politischen Instabilität in einigen Ländern leide die Region unter der Krise in der Euro-Zone, die wegen der starken wirtschaftlichen Verschränkung auch die Konjunktur in Zentral- und Osteuropa bremse.

Die zur italienischen Großbank UniCredit gehörende Bank Austria erwartet daher künftig geringere Renditen in Osteuropa. Verglichen mit den Erträgen, die Banken im gesättigten westeuropäischen Markt erzielten, seien diese aber immer noch attraktiv, sagte Osteuropa-Chef Gianni Franco Papa am Dienstag. Österreichische Banken zählen zu den größten Kreditgebern in Osteuropa. Sie haben ihre Stellung dort nach dem Fall des Eisernen Vorhangs sukzessive ausgebaut und versuchen so, über ihren relativ kleinen Heimatmarkt Österreich hinaus zu wachsen. Einige der neuen Märkte im Osten haben sich jedoch durch hohe Abschreibungen und maue Erträge für die Geldhäuser als Milliardengräber erwiesen.

RUMÄNISCHE TOCHTER BREMST ERSTE GROUP ERNEUT

Die Erste Group etwa musste ihre Eigentümer am Dienstag auf eine weitere Abschreibung von insgesamt 300 Millionen Euro einstimmen. Grund dafür ist vor allem die Wirtschaftsentwicklung in Rumänien, die der dortigen Tochter BCR zu schaffen macht. Unter dem Strich stehe daher konzernweit 2012 wohl ein Nettogewinn von 450 Millionen Euro, erklärte die Bank - deutlich weniger als von Analysten erwartet. Im Jahr davor hatte das Sparkassen-Spitzeninstitut einen Verlust von 719 Millionen Euro verbucht. Auch damals rissen Abschreibungen auf die Töchter in Osteuropa Löcher in die Bilanz der Bank.

An der Börse kamen die Aussichten nicht gut an: Die Erste-Group-Aktie lag rund drei Prozent im Minus.

Die Bank Austria hingegen hat das vergangene Jahr laut Papa gut überstanden. "Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir ein sauberes Haus haben", sagte er. Es werde bei Vorlage der Zahlen keine Überraschungen geben. Auch bei der Raiffeisen Bank International werde es nach derzeitigem Stand keine derartigen Abschreibungen gegeben, sagte Stepic.

Zu schaffen macht den Banken in Osteuropa vor allem die schlechter als erwartete Wirtschaftsentwicklung. Sie bremst den Konsum und damit viele Bankgeschäfte. Zudem kommen einige Firmen in schwierigen Zeiten in Schieflage. Die Geldhäuser müssen daher hohe Vorsorgen für ausfallgefährdete Kredite bilden, die die Gewinne schmälern.

Nach Einschätzung der Institute dürfte das auch künftig ein Thema bleiben. Die UniCredit sieht diese faulen Kredite bis mindestens 2014 als Risiko. Raiffeisen-Bank-Internationa-Chef Stepic zufolge sind sie vor allem in Südosteuropa, Polen und Ungarn ein Problem, wogegen sich die Situation in Russland, Tschechien und der Slowakei entspanne.

 
ERSTE bank group CEO Andreas Treichl reacts as he presents the annual business report for 2011 in Vienna February 29, 2012. REUTERS/Herwig Prammer