Insider - RBS erwartet Libor-Strafe von bis zu 600 Mio Euro

Dienstag, 15. Januar 2013, 17:44 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die britische Royal Bank of Scotland (RBS) macht sich Verhandlungskreisen zufolge auf eine Strafe von bis zu 600 Millionen Euro für ihre Beteiligung an Zinsmanipulationen gefasst.

Der Betrag, auf den sich die RBS bis zur kommenden Woche mit den Behörden in Großbritannien und den USA einigen will, dürfte zwischen 400 und 500 Millionen Pfund (480 bis 600 Millionen Euro) liegen, sagten mehrere mit den Verhandlungen vertraute Personen Reuters am Dienstag. Alle Aufsichtsbehörden hätten dem Vergleich allerdings noch nicht zugestimmt, die Amerikaner ermittelten noch. RBS wollte sich dazu nicht äußern. Die Bank will das Thema bis Ende Februar vom Tisch haben.

Die Buße für die RBS läge über den 450 Millionen Dollar, die der Rivale Barclays zahlen musste, aber weit unter den 1,5 Milliarden Dollar, die der Skandal um die Fälschung des Interbanken-Zinssatzes Libor die schweizerische UBS an Strafen gekostet hatte. Mehr als ein Dutzend Banken, darunter die Deutsche Bank, sind derzeit im Fokus von Untersuchungen. Diese drehen sich um die Frage, inwieweit die Geldhäuser an den Manipulationen zu ihren Gunsten beteiligt waren. Der Londoner Libor beruht auf - von außen bislang kaum nachvollziehbaren - Angaben der Banken zu deren Refinanzierungskosten. Er wird einmal täglich ermittelt und ist die Basis für Milliarden-Finanzgeschäfte weltweit.

Mehr als 100 Millionen Pfund will die RBS durch die Kürzung von Boni und die Rückforderung von Prämien derjenigen Händler erwirtschaften, die in den Skandal verwickelt sind, wie Insider sagten. Das Institut äußerte sich dazu nicht. Zwei führende Investmentbanker der RBS müssen im Zuge des Skandals um ihren Arbeitsplatz fürchten. Die Bank erwäge, ihren Investmentbank-Chef John Hourican und den Chef der Kapitalmarkt-Sparte, Peter Nielsen, bei einer Einigung mit den Behörden abzulösen, hatte ein Insider der Nachrichtenagentur Reuters gesagt. Zwar gebe es bisher keine Anzeichen, dass sie von den Manipulationen gewusst hätten, doch drängten die Aufseher darauf, dass prominente Köpfe rollen müssten.

Bisher wurde nur eine Handvoll Investmentbanker von RBS geschasst, die eher unten in der Hierarchie stehen. Bei Barclays hatte die Libor-Affäre die drei höchstrangigen Banker den Job gekostet, darunter Vorstandschef Bob Diamond.

 
A flag flies over the former headquarters and registered office of the Royal Bank of Scotland (RBS) in Edinburgh, Scotland March 29, 2012. REUTERS/David Moir