Japaner geben Offshore-Rädern in der Nordsee Rückenwind

Mittwoch, 16. Januar 2013, 12:33 Uhr
 

Düsseldorf (Reuters) - Der japanische Finanzinvestor Mitsubishi hilft mit einer halben Milliarde Euro dem schleppenden Windkraftausbau in der Nordsee auf die Sprünge.

Der Netzbetreiber Tennet hat nach eigenen Angaben mit dem Unternehmen aus dem Fernen Osten eine Vereinbarung für vier Offshore-Netzanbindungen unter Dach und Fach gebracht. Danach beteiligten sich die Japaner mit 576 Millionen Euro an den 2,9 Milliarden Euro teuren Anschlüssen, teilte Tennet am Mittwoch mit. Im Gegenzug erhalten sie für die Investitionen über die Netzgebühren der Stromkunden eine feste Eigenkapitalverzinsung von rund neun Prozent.

Der Ausbau der Offshore-Windenergie spielt eine Schlüsselrolle bei der Energiewende der Bundesregierung. Er kommt aber nur langsam voran. "Das ist eine großartige Nachricht", begrüßte Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler die Vereinbarung mit Mitsubishi. Die von der Regierung auf den Weg gebrachten besseren Investitionsbedingungen zeigten erste Erfolge. Der Offshore-Ausbau nehme volle Fahrt auf.

"Die Realisierung dieser innovativen Vereinbarungen dauerte zwei Jahre", sagte Tennet-Finanzchef Eelco de Boer. Sie seien in enger Zusammenarbeit mit der Bundesnetzagentur auf den Weg gebracht worden. Gemeinsam wollen die Partner mehrere über 100 Kilometer von der Küste entfernte Windparks an das Festland-Netz anbinden. Tennet ist für den Anschluss zuständig, nachdem der Konzern vor einigen Jahren das deutsche Höchstspannungsnetz von E.ON übernommen hat. Die Projekte werden Tennet zufolge in der Regel zu 40 Prozent aus Eigenkapital und zu 60 Prozent über Kredite finanziert. Mitsubishi sei künftig an den Projektgesellschaften beteiligt und habe einen Stimmrechtsanteil von 49 Prozent.

TENNET SUCHT WEITERE PARTNER FÜR MILLIARDENINVESTITIONEN

Tennet verfolgt derzeit rund zehn Projekte in der Nordsee mit Investitionskosten von insgesamt rund 5,8 Milliarden Euro. Der Staatskonzern aus den Niederlanden ist wegen der Verzögerungen beim Anschluss von Windkraftanlagen in der Nordsee unter Druck. So liegt Tennet etwa mit dem Essener Energiekonzern RWE wegen des verspäteten Anschlusses des Windparks "Nordsee Ost" vor Helgoland im Clinch. RWE wollte die ersten Windräder ursprünglich bereits im vergangenen Jahr anschließen, inzwischen rechnet der Konzern mit Mitte bis Ende 2014. Tennet verweist auf Probleme bei den Zulieferern. Seit Anfang dieses Jahres müssen die Stromkunden über eine Umlage für Verzögerungen bei Netzausbau auf hoher See mithaften. RWE erwägt dennoch, Tennet im Fall von "Nordsee Ost" auf Schadenersatz zu verklagen.

Der Netzbetreiber ist auf der Suche nach Partnern für weitere Projekte. Das Projekt mit Mitsubishi war bereits im vergangenen Jahr angekündigt worden. "Die Bedingungen haben sich grundlegend verbessert", sagte Tennet Geschäftsführer Lex Hartmann in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Deshalb gehe ich davon aus, dass wir für die anderen Anbindungen auch Investoren finden."