US-Großbanken kämpfen mit Altlasten aus Finanzkrise

Donnerstag, 17. Januar 2013, 16:01 Uhr
 

New York (Reuters) - Einige US-Großbanken haben noch immer mit milliardenschweren Altlasten aus der Finanzkrise zu kämpfen.

Das einst weltgrößte Finanzinstitut Citigroup und die traditionsreiche Bank of America müssen sich nach wie vor mit teuren Rechtsstreitigkeiten herumschlagen. Hinzu kommen Milliardenkosten für den Umbau der Konzerne, die drastisch schrumpfen müssen und Tausende Stellen streichen. Zwar schrieben beide Geldhäuser im vergangenen Jahr weiter Gewinne, blieben aber meilenweit hinter dem Rekordergebnis von gut 21 Milliarden Dollar des Branchenprimus JP Morgan zurück.

Die in Deutschland nur noch im Firmenkundengeschäft aktive Citigroup verdiente 2012 unter dem Strich 7,5 Milliarden Dollar nach 11,1 Milliarden Dollar im Vorjahr. Gründe für den Rückgang waren unter anderem Verluste aus dem Verkauf von Minderheitsbeteiligungen. Allein im Schlussquartal - dem ersten unter dem neuen Bankchef Michael Corbat - schlugen zudem Kosten für juristische Streitigkeiten und Entlassungen von 2,3 Milliarden Dollar negativ zu Buche. "Es wird einige Zeit dauern, bis wir die Herausforderungen des aktuellen Umfelds gemeistert haben", erklärte Corbat, der im Oktober dem gefeuerten Vikram Pandit gefolgt war. Lichtblick ist das Anleihegeschäft, wo die Einnahmen im vierten Quartal um fast 60 Prozent zulegten.

Die Bank of America, die vor einigen Jahren die strauchelnde Investmentbank Merrill Lynch übernommen hatte, schrieb 2012 einen Gewinn von 4,2 Milliarden Dollar - drei Mal mehr als im Jahr davor. Doch speziell im letzten Vierteljahr verbuchte die zweitgrößte US-Bank eine ganze Reihe von Sonderbelastungen, darunter allein rund fünf Milliarden Dollar für die Beilegung von Rechtsstreitigkeiten im Zusammenhang mit fraglichen Hypothekengeschäften. Zugleich sanken allerdings die Rückstellungen für faule Kredite um rund ein Viertel und das Investmentbanking boomte - wie bei der Citigroup - dank der Geldschwemme durch die US-Notenbank Fed. "Wir haben 2012 viele Risiken hinter uns gelassen", sagte Finanzchef Bruce Thompson. Die Bank will bis Mitte 2015 die jährlichen Kosten um acht Milliarden Dollar senken, was vor allem im Hypothekengeschäft auch mit dem Abbau Tausender Stellen einhergeht.

Die Aktien beider Banken gaben im frühen Handel mehr als drei Prozent nach. Die Rivalen JP Morgan und Goldman Sachs hatten dagegen am Mittwoch Ergebnisse vorgelegt, die die Anleger begeisterten. Beide Institute profitierten vor allem von der Erholung des US-Immobilienmarktes und dem von den Fed-Programmen angetriebenen Handelsgeschäft. Zudem müssen sie angesichts der Erholung der amerikanischen Wirtschaft weniger Geld für Kreditausfälle zurücklegen. Das brachte der weltgrößten Investmentbank Goldman Sachs im vergangenen einen Überschuss von 7,5 Milliarden Dollar.

Für die europäischen Großbanken liegt die Latte damit hoch. Sie dürften angesichts der Euro-Schuldenkrise deutlich hinter den Ergebnissen ihrer US-Rivalen zurückbleiben. Die Ergebnisse kommen in den nächsten Wochen. Die ebenfalls von Rechtsstreitigkeiten belastete Deutsche Bank legt die Zahlen am 31. Januar vor - Analysten erwarten für 2012 einen Überschuss von gut drei Milliarden Euro.