Thyssen-Aufsichtsratchef Cromme gibt nicht auf

Donnerstag, 17. Januar 2013, 16:57 Uhr
 

Düsseldorf (Reuters) - ThyssenKrupp-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme hat vor der mit Spannung erwarteten Hauptversammlung des Stahlriesens einen Rücktritt erneut abgelehnt.

Dazu gebe es keinen Anlass, sagte der 69-Jährige in einem am Donnerstag vorab veröffentlichten Interview des "manager magazins". Entscheidend sei, dass der Konzern Konsequenzen gezogen und einen Neuanfang im Vorstand ermöglicht habe. Dem Vorstand unter Heinrich Hiesinger wäre mit einem Rücktritt des Aufsichtsrats nicht geholfen, fügte er hinzu. "So aber wissen die Vorstände, dass sie die volle Unterstützung des Aufsichtsrats haben. Genauso wie ich sage, mea culpa, da ist einiges schiefgelaufen, genauso sage ich, wir sind jetzt auf dem richtigen Weg."

Cromme steht am Freitag eine heiße Hauptversammlung bevor. Einige Aktionäre haben ihn aufgefordert, seinen Posten als Chef-Kontrolleur, den er bereits seit 2001 inne hat, zu räumen. Sie machen ihn für das Desaster mit den neuen Stahlwerken in Übersee mitverantwortlich. Die Kosten für die Werke waren auf zwölf Milliarden Euro in die Höhe geschossen. Sie haben maßgeblich dazu beigetragen, dass ThyssenKrupp im vergangenen Geschäftsjahr einen Verlust von fünf Milliarden Euro eingefahren hat. Erstmals seit der Fusion von Thyssen und Krupp 1999 erhalten die Aktionäre keine Dividende. Cromme wird auch eine mangelnde Kontrolle des früheren Managements zur Last gelegt. Dem Konzern drohen nach erneuten Kartellverstößen Schadenersatzforderungen im dreistelligen Millionenbereich.

Existenzsorgen muss ThyssenKrupp Cromme zufolge trotz der Verluste und hoher Schulden nicht haben. "Es kann gar nicht so schlecht kommen, dass ThyssenKrupp nicht überleben würde. Wir sind durchfinanziert. Das Unternehmen hat in den 200 Jahren seines Bestehens schon viel schlimmere Krisen überstanden."