Bilfinger-Chef geht weiter shoppen

Freitag, 18. Januar 2013, 17:28 Uhr
 

Stuttgart (Reuters) - Der Bau- und Industriedienstleister Bilfinger bleibt nach der Übernahme des amerikanischen Wassertechnikspezialisten Johnson Screens auf Shopping-Tour.

Bilfinger hat Vorstandschef Roland Koch zufolge noch 850 Millionen Euro für Zukäufe in der Kasse, will diese aber nur wohlüberlegt ausgeben. "Wir stehen nicht unter Zeitdruck", sagte Koch am Freitag. Seit dem Amtsantritt des ehemaligen hessischen Ministerpräsidenten Mitte 2011 haben die Mannheimer fast zwei Dutzend Firmen in Europa, den USA und Asien übernommen, um den Umbau vom Baukonzern zum Industriedienstleister voranzutreiben.

Mit dem neuesten Zukauf in den USA, Johnson Screens, will Bilfinger seine Marktposition in der Wasser- und Abwassertechnik ausbauen. Das lassen sich die Mannheimer fast 100 Millionen Euro kosten, wie Finanzchef Joachim Müller sagte. Der Hersteller von Spezialfiltern für Flüssigkeiten und Gase, die auch zur Abwasserbehandlung in der Industrie eingesetzt werden, erbringe mit 1200 Mitarbeitern eine Jahresleistung von etwa 160 Millionen Euro. Zusammen mit dem schon zu Bilfinger gehörenden deutschen Unternehmen Passavant Geiger soll in der Sparte Wassertechnik mit gut 2000 Beschäftigten künftig eine Leistung von 300 Millionen Euro erzielt werden. Die beiden Firmen ergänzten sich gut, weil Passavant stärker in der kommunalen Abwasserklärung und in Europa engagiert sei, während Johnson eher auf Industrieabwässer vor allem in Nordamerika spezialisiert sei.

KEIN DRANG ZUM STÄNDIGEN GELDAUSGEBEN

Koch will die Leistung des Konzerns auf elf bis zwölf Milliarden Euro hochschrauben - 2011 lag sie noch bei 8,5 Milliarden. Durch die Übernahme von 22 Unternehmen seit Mitte 2011 sei die Leistung um eine Milliarde Euro gewachsen, sagte der Bilfinger-Chef. Den Nettogewinn will er binnen fünf Jahren bis 2016 fast verdoppeln auf 400 Millionen Euro. Wie viel er von diesem Ziel schon verwirklicht hat, lässt sich aber erst aus den für Februar erwarteten Geschäftszahlen für 2012 ablesen.

Das stärker konjunkturabhängige Baugeschäft macht inzwischen weniger als 20 Prozent vom Umsatz aus. Ganz zurückziehen wollen sich die Mannheimer davon allerdings nicht, um die praktische Expertise für die Planung und das Management beim Bau von Industrieanlagen etwa im Chemie- oder Energiesektor nicht zu verlieren. Die Zahl der Mitarbeiter stieg durch die Übernahmen um rund 10.000 auf fast 70.000 - der Großteil des neuen Personals kommt allerdings nicht aus Deutschland, obwohl die Hälfte der neuen Firmen im Inland sitzt.

Koch sagte, das Unternehmen wolle seine Expansion schrittweise fortsetzen. "Wir sind nicht unter dem permanenten Drang, das Geld ausgeben zu müssen, weil es da ist, sondern wir werden dabei Stück für Stück dafür sorgen, dass wir die richtigen Ziele finden", ergänzte er. Bisher sei die Einkaufstour aus Sicht des Vorstands sehr erfolgreich. Allerdings sei es eine Herausforderung, die vielen Neuzugänge zu integrieren.

DZ-Analyst Marc Nettelbeck lobte das schrittweise Vorgehen des Konzerns bei seinen weltweiten Einkäufen und empfahl weiterhin, die Aktie zu kaufen. Die Anleger griffen denn auch zu - der Kurs stieg zeitweise um gut 3,5 Prozent auf knapp 76 Euro.