Bund schöpft neue Hoffnung auf Verkauf der HRE-Kernbank

Freitag, 18. Januar 2013, 17:28 Uhr
 

Frankfurt/Berlin (Reuters) - Immobilienbanken mögen sich zuletzt als Ladenhüter erwiesen haben - der Bund gibt die Hoffnung auf eine Privatisierung der Pfandbriefbank pbb dennoch nicht auf.

Ein Gutachten der Unternehmensberatung Roland Berger und der Investmentbank HSBC schürt neue Zuversicht, dass sich die Nachfolgerin der in der Krise kollabierten Hypo Real Estate (HRE) verkaufen lässt. Der staatliche Bankenrettungsfonds SoFFin hatte die Prüfung vor einem Jahr in Auftrag gegeben, nun liegt der Bericht vor, wie der SoFFin am Freitag bestätigte. Zentrales Ergebnis, pünktlich zu Beginn des Wahljahres 2013: Die pbb ist grundsätzlich verkäuflich, das Geschäftsmodell tragfähig. Eine Privatisierung sei "wirtschaftlich deutlich vorteilhafter" als eine Abwicklung.

Zu den Hausaufgaben, die die pbb noch zu erledigen hat, äußerte sich der SoFFin nicht. Das "Handelsblatt" zitierte aus den vertraulichen Unterlagen: die Schrumpfkur der Pfandbriefbank reiche noch lange nicht aus, um tatsächlich einen Käufer an Land zu ziehen. Das Institut mit seinen gut 1000 Mitarbeitern und einer Bilanzsumme von über 100 Milliarden Euro müsse weiter abspecken. Zum jetzigen Zeitpunkt gebe es für eine Privatisierung keine Chance, berichtete die Zeitung in ihrer Freitagausgabe. Die pbb selbst wollte sich zum Inhalt des Gutachtens nicht äußern, sondern erklärte auf Nachfrage lediglich: "Wir werden den vom Management eingeschlagenen Weg fortsetzen, um das Ziel einer Reprivatisierung der pbb zu erreichen."

Die Hypo Real Estate stand in der Finanzkrise vor dem Aus und konnte nur dank staatlicher Hilfen von zeitweise mehr als 100 Milliarden Euro gerettet werden. Davon sind die Garantien mittlerweile alle zurückgegeben worden. Die Kapitalhilfe beläuft sich noch auf sechs Milliarden Euro. Die gefährlichsten Wertpapiere und Kredite wurden in die Bad Bank FMS ausgelagert, wo sie über die kommenden Jahre mit möglichst wenig Verlust abgebaut werden sollen. Mit dem gesunden Rest der HRE wurde unter dem Namen Pfandbriefbank ein Neuanfang gewagt. Doch nach dem Willen der EU muss die pbb bis spätestens Ende 2015 wieder in private Hände übergehen, um Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden.

"ZUKUNFTSMUSIK"

Wie schwierig das werden dürfte, lässt sich daran ablesen, dass Investoren schon um andere Immobilienbanken einen großen Bogen machten: Für die ungleich größere und chronisch defizitäre Commerzbank-Tochter Eurohypo gab es keinen einzigen Interessenten, sie ist jetzt Geschichte. Und selbst der Verkauf der gesunden WestLB-Tochter Westimmo an den Finanzinvestor Apollo zerschlug sich am Ende relativ zeitgleich mit der Auflösung der Landesbank. Das Problem ist die Refinanzierung der meist großvolumigen und langlaufenden Immobilienkredite, die zudem sehr kapitalzehrend sind. Das können im aktuellen Umfeld nur wenige Investoren stemmen.

Bei der pbb entspannt sich die Refinanzierungslage inzwischen zwar wieder, wie sie in dieser Woche mit der Platzierung einer unbesicherten Anleihe über 500 Millionen Euro bis 2016 unter Beweis stellte. Zusätzlich will sie ins lukrative Einlagengeschäft einsteigen. Doch das Neugeschäft mit Krediten läuft trotz des Ausscheidens etlicher Konkurrenten nur schleppend. Der Vorsteuergewinn dürfte 2012 auf etwa 140 Millionen Euro zurückgegangen sein - ein Wert, den die kleinere Aareal Bank allen Prognosen zufolge deutlich übertroffen hat. Mit solchen Zahlen gelingt die Privatisierung nicht, wie man auch bei der pbb hinter vorgehaltener Hand zugibt. Oberstes Ziel sei es, in den nächsten Jahren rentabler zu werden: "Im Moment ist an einen Verkauf nicht zu denken. Das ist reine Zukunftsmusik."