Ruhrkonzern Evonik liebäugelt weiter mit Börsengang

Samstag, 19. Januar 2013, 16:13 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Der Spezialchemiekonzern Evonik hat die Pläne für einen Börsengang trotz des Scheiterns im vergangenen Jahr nicht aufgegeben.

Ein Börsengang wäre "sicherlich ein geeigneter Weg" für den Miteigner CVC, sich von seinem 25-prozentigen Evonik-Anteil zu trennen, sagte Konzernchef Klaus Engel der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Samstagausgabe). Falls der Finanzinvestor die Anteile stattdessen beispielsweise an einen chinesischen Staatsfonds weiterreiche, würde das Engel der Zeitung zufolge nicht stören. "Die Idee, dass sich Investoren aus allen Teilen der Welt hierzulande engagieren, sehe ich sehr entspannt", sagte der Manager dem Blatt. "Schließlich wollen wir uns ja auch in aller Welt beteiligen." Die Evonik-Eigner - neben CVC die RAG-Stiftung - hatten ihre milliardenschweren Pläne für einen Börsengang im Juni abgeblasen. Ihre Preisvorstellungen ließen sich nicht realisieren.

Nicht an der Börse sehen will Engel dagegen die Immobiliensparte des Konzerns, die noch aus den Zeiten des Ruhr-Mischkonzerns RAG stammt. Evonik Wohnen und die Immobiliengesellschaft THS, an der auch die Gewerkschaft IG BCE beteiligt ist, sollten fusionieren. Zu den künftigen Beteiligungsverhältnissen wollte Engel der Zeitung nichts sagen, weil das Bewertungsgutachten noch nicht vorliege. Es sei aber geplant, dass Evonik einen Teil der mit rund 130.000 Wohnungen drittgrößten deutschen Wohnungsgesellschaft in einen Pensionsfonds auslagere. Gemeinsam mit der Gewerkschaft habe Evonik ein Modell gefunden, das sich vom "immer wieder vorkommenden Raubtierkapitalismus innerhalb der Immobilienbranche" abhebe. Die RAG-Stiftung und die Gewerkschaft sollen an dem neuen Immobilienunternehmen beteiligt sein.

Im operativen Geschäft sei Evonik 2012 nahe an das Rekordergebnis des Vorjahres herangekommen, sagte der Manager weiter. CVC und die RAG-Stiftung könnten sich auf eine Ausschüttung in Vorjahreshöhe von 425 Millionen Euro einstellen. Trotz des gescheiterten Börsengangs habe Evonik auch keine Probleme, am Kapitalmarkt Geld aufzunehmen. "Wir sind voll durchfinanziert und hätten bei Bedarf auch keine Schwierigkeiten, Anleihen zu platzieren oder Kredite aufzunehmen." Damit könnten auch Zukäufe finanziert werden, für die sich Engel in dem Interview offen zeigte. "Um eine attraktive Wachstumsstory zu liefern, sind wir zwar nicht auf Akquisitionen angewiesen. Wenn sich aber etwas Passendes ergibt, schauen wir uns das an."