E.ON - Haben uns im Tarifstreit bewegt

Sonntag, 20. Januar 2013, 12:12 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - E.ON hat die Gewerkschaften aufgefordert, im Tarifkonflikt bei dem Energiekonzern an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

"Wir haben uns bewegt, wir ringen darum, eine faire Lösung hinzubekommen", sagte E.ON-Personalvorstand Regine Stachelhaus der "Welt am Sonntag". Sie hoffe weiter, dass ein Arbeitskampf noch auf den letzten Metern vermieden werden könne. "Unsere Tür steht offen", sagte Stachelhaus. "Wir sind verhandlungsbereit ohne Vorbedingungen." Allerdings: Vor dem Hintergrund des dramatischen Strukturwandels in der Energiewirtschaft sei eine Lohnforderung von 6,5 Prozent "völlig überzogen", sagte sie.

In dem Konflikt drohen dem Energieriesen unbefristete Streiks. Nach dem Scheitern der Tarifverhandlungen für die rund 30.000 Beschäftigten in Deutschland soll binnen 14 Tagen eine Urabstimmung eingeleitet werden, wie Verdi am Freitag ankündigte. Voraussichtlich zum Monatswechsel könnten dann die Arbeitnehmer in den Ausstand treten - die Gewerkschaft gehe von einem entsprechenden Votum der Belegschaft aus. Die Arbeitnehmer wollten offen ankündigen, wo sie streiken würden, sagte der Sprecher weiter. Sie wollten schließlich mitten in der kalten Jahreszeit "keine provozierten Blackouts" bei der Stromversorgung. Nicht die Bevölkerung solle mit einem Arbeitskampf getroffen werden - "sondern das Unternehmen finanziell".

E.ON hatte in den Verhandlungen zuletzt eine Lohnerhöhung von 1,7 Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten angeboten. Verdi und die Gewerkschaft IG BCE fordern jedoch 6,5 Prozent mehr Lohn. Der Versorger kämpft mit den Folgen der Atomwende und sinkenden Margen im Stromgeschäft. Zudem drücken E.ON nach einer Einkaufstour in zurückliegenden Jahren Schulden von über 35 Milliarden Euro. Vorstandschef Johannes Teyssen will bis zu 11.000 Stellen streichen, mehr als die Hälfte davon in Deutschland, und stößt Beteiligungen im In- und Ausland ab. Stattdessen will er das Wachstum des Konzerns mit Investitionen in neuen Märkten außerhalb Europas vorantreiben. Der Konzern beschäftigt weltweit rund 73.000 Mitarbeiter.

 
The building site of a coal power plant of German utility giant E.ON is pictured in the western city of Datteln May 1, 2012. REUTERS/Ina Fassbender