EADS-Chef - Bund soll sich nicht in Produktplanung einmischen

Sonntag, 20. Januar 2013, 16:32 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - EADS-Chef Tom Enders verbittet sich eine Einmischung der Bundesregierung in die Produktplanung.

"Entscheidungen, wann und wo wir in Zukunft Flugzeuge entwickeln und produzieren, werden von Airbus nach wirtschaftlichen Kriterien getroffen - und nicht von Regierungen", sagte Enders dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Die Bundesregierung hatte am Mittwoch eine neue Luftfahrtstrategie beschlossen, in der sie beim Flugzeugbauer Airbus auf Mitspracherechte pocht. Als neuer Großaktionär des Mutterkonzerns EADS will die Bundesregierung Kompetenzen in der Forschung, Entwicklung und Produktion von Airbus-Flugzeugen im Land halten.

Der EADS-Chef gab sich in dem Interview zwar versöhnlich: "In dem Papier steht viel Richtiges", sagte er zu der Bundes-Strategie. Er beharrte aber darauf, dass die neue Eignerstruktur EADS unabhängiger von der Politik mache. Zuletzt hatte es im Verhältnis zwischen der EADS-Führung und der Bundesregierung geknirscht.

Auf die Anmerkung des Magazins, er habe bei der Neuordnung der Aktionärsstruktur des Konzerns einen Scherbenhaufen hinterlassen und Bundeskanzlerin Angela Merkel verstimmt, sagte Enders: "Scherben bringen Glück!". Dass er damals zuerst das Gespräch mit der neuen französischen Regierung gesucht habe, sei in Berlin wohl nicht gut angekommen, räumte Enders ein. Er habe inzwischen aber ein konstruktives und vertrauensvolles Gespräch mit Merkel gehabt.

Nach langem Ringen hatten sich Ende 2012 die Regierungen in Deutschland, Frankreich und Spanien mit den bisherigen EADS-Anteilseignern Daimler und Lagardere auf eine neue Verteilung geeinigt. Deutschland wird als dritter Staat Großaktionär bei EADS und wie Frankreich mit jeweils zwölf Prozent am stimmberechtigten EADS-Kapital beteiligt. Hinzu kommt Spanien mit einer Beteiligung von vier Prozent. Die drei Staaten erhalten jedoch keine Veto-Rechte und unterliegen einer neuen Stimmrechtsbeschränkung auf 15 Prozent. Die drei Regierungen haben damit insgesamt einen maßgeblichen, aber keinen bestimmenden Einfluss.

PRIVATE AKTIONÄRE WOLLEN MEHR

Für die privaten Aktionäre will Enders die Rentabilität des Konzerns steigern. "Diese Anleger erwarten mehr Ertrag für ihr Geld. Das werden wir bieten", kündigte er an. Er stelle sich die Frage, ob das Geschäft mit zivilen Flugzeugen oder Hubschraubern nicht ein größeres Gewicht bekommen solle. Bislang will EADS im zivilen wie im Rüstungsgeschäft jeweils die Hälfte der Umsätze einfliegen. Bestenfalls würden die Rüstungsausgaben der Staaten aber stagnieren, fürchtet der Manager. Im Geschäft mit zivilen Flugzeugen hatte allerdings der Konkurrent Boeing zuletzt erstmals seit Jahren wieder die Nase vorn gehabt. Airbus habe aber mehr Aufträge in den Büchern, sagte Enders.

Der US-Konkurrent musste gerade nach einer Pannenserie bei seinem Prestigeprojekt "Dreamliner" die Reißleine ziehen und die Auslieferung der Maschinen stoppen. Das ruft allerdings bei Enders keine Schadenfreude hervor, wie er im "Spiegel" sagte. "Anlaufprobleme kennen wir schließlich auch zur Genüge. Wir werden sicherlich bei unserem neuen Langstreckenflugzeug A350 auch noch die eine oder andere unangenehme Überraschung erleben", sagte Enders. "Ich wünsche unseren Kollegen, dass sie den Dreamliner rasch wieder in die Luft bekommen. Mit unserer A330 und auch mit der A350 werden wir ihm das Leben dort schwer genug machen." Der Jungfernflug der A350 soll Mitte des Jahres stattfinden.