BASF gelingt Übernahme der norwegischen Pronova

Montag, 21. Januar 2013, 18:24 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Endlich am Ziel: Der Chemiekonzern BASF kann die mehrere hundert Millionen Euro teure Übernahme des norwegischen Fischölverarbeiters Pronova Biopharma perfekt machen.

Mit dem Hersteller von Omega-3-Fettsäuren aus Lysaker nahe Oslo kann BASF-Chef Kurt Bock das lukrative Geschäft mit Substanzen für die Gesundheits- und Ernährungsindustrie deutlich ausbauen. Die Ludwigshafener gewannen mit ihrem aufgestockten Angebot von 13,50 Kronen je Aktie die Zustimmung von 97,7 Prozent des Pronova-Aktienkapitals, wie BASF am Montag mitteilte. Damit schaffte BASF die selbst gesetzte Hürde von mindestens 90 Prozent Zustimmung. "Die Akquisition wird die Position von BASF und Pronova im Markt für Omega-3-Fettsäuren stärken", erklärte Vorstand Michael Heinz. Die BASF-Aktie gewann am Montag 0,6 Prozent.

Das Kartellamt hat den Zukauf schon genehmigt, der dem Konzern - die Schulden der Norweger eingeschlossen - insgesamt 684 Millionen Euro wert ist. Das Vorhaben stand aber wegen der hohen Annahmeschwelle von 90 Prozent bis zuletzt auf Messers Schneide. BASF kann jetzt wie geplant Pronova von der Börse nehmen. Das Squeeze-Out-Verfahren werde vorbereitet, kündigte der Konzern an. In Norwegen ist 90 Prozent die Schwelle, ab der Kleinaktionäre per "Squeeze-Out" aus einem Konzern herausgedrängt werden können. Noch in den nächsten Wochen will BASF den Zukauf abschließen.

Pronova zählt zu den Pionieren bei Omega-3-Fettsäuren, denen Herz-Kreislauf-stärkende Eigenschaften nachgesagt werden. Was zu Großmutters Zeiten der ungeliebte tägliche Löffel Lebertran für Kinder war, sind heute die aus Fischöl gewonnenen Omega-3-Fettsäure-Kapseln. Pronova erzielte 2011 einen Umsatz von umgerechnet 227 Millionen Euro und einen Nettogewinn von 21 Millionen Euro. BASF ist durch die 3,1 Milliarden Euro teure Übernahme der Chemiefirma Cognis schon in dem Feld aktiv und baute dieses 2012 durch Kauf der schottischen Firma Equateq weiter aus. BASF traut dem Weltmarkt für solche Fettsäuren ein jährliches Wachstum von acht Prozent bis 2020 zu.

WACHSTUMSFELDER GESUNDHEIT UND ERNÄHRUNG

Die Chemiebranche hat seit einigen Jahren die Themen Ernährung und Gesundheit als Wachstumsfelder entdeckt. Neben BASF drängt auch die Konkurrenz in diese Sparten, die weniger konjunkturanfällig sind als das klassische Chemiegeschäft mit der Industrie. So übernahm 2012 der niederländische Wettbewerber DSM für rund 420 Millionen Euro den Produzenten von Omega-3-Fettsäuren Ocean Nutrition Canada. Auch der Leverkusener Chemie- und Pharmakonzern Bayer wollte mit dem Erwerb des US-Vitaminhersteller Schiff unter anderem von der Beliebtheit der Omega-3-Fettsäuren profitieren und dafür 1,2 Milliarden Dollar (rund 940 Millionen Euro) ausgeben. Doch die Pläne scheiterten: Der britische Konsumgüterriese Reckitt Benckiser machte Bayer das Vorhaben mit einer höheren Gegenofferte zunichte.

RÜCKSCHLAG IN ASIEN

Während die Übernahme in Norwegen jetzt in trockenen Tüchern ist, gab es in Asien für BASF einen Rückschlag. Der Konzern begrub seine Pläne für ein großes Spezialchemieprojekt mit dem malaysischen Öl- und Petrochemiekonzern Petronas. Beide Unternehmen konnten sich nicht auf die Bedingungen für ein neues Joint Venture einigen. BASF wollte mit Petronas in Malaysia an einem neuen Standort bei dem Ort Pengerang Spezialchemikalien wie beispielsweise Tenside für Waschmittel für den asiatischen Markt produzieren. Die Höhe der geplanten Investitionen in das Projekt nannte BASF nicht.

Die Expansion in Asien ist eines der wichtigsten strategischen Ziele von BASF-Chef Bock. Die Region ist schon jetzt mit Abstand der weltweit größte Chemieproduzent noch vor Nordamerika und Westeuropa. Unabhängig vom Aus für das Spezialchemieprojekt hält BASF nach wie vor an den Plänen für die Erweiterung des bestehenden Gemeinschaftsunternehmens mit Petronas am Großstandort Kuantan fest. BASF prüft einer Sprecherin zufolge weiter den Ausbau der dortigen Anlagen für Acrylsäure und Superabsorber, den Ausgangsstoffen für Baby-Windeln. In beide Projekte zusammen wollten die zwei Konzerne nach früheren Angaben rund eine Milliarde Euro investieren.

- von Frank Siebelt

 
Flags of the German chemical company BASF are pictured in Monheim April 20, 2012. REUTERS/Ina Fassbender (GERMANY - Tags: BUSINESS LOGO)