Wingas: Bedeutung von russischem Erdgas für Europa nimmt zu

Montag, 21. Januar 2013, 18:58 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Russland wird nach Einschätzung von Wingas-Chef Gerhard König seine Gaslieferungen nach Europa in den kommenden Jahren voraussichtlich weiter ausbauen.

"Der 25-Prozent-Anteil Russlands an der EU Gasversorgung wird nach unseren Prognosen 2020 auf ein Drittel steigen", sagte König am Montag zu Journalisten in Berlin. Wingas ist das im Erdgashandel tätige Gemeinschaftsunternehmen von BASF und der russischen Gazprom. Bis Ende 2013 soll Wingas vollständig zum russischen Konzern gehören, wie BASF und Gazprom im Zuge eines Austausches von Geschäftsteilen im November vereinbarten.

König erwartet bei einer eher konstanten Nachfrage nach Erdgas in Europa keinen dramatischen Anstieg der Preise. "Der Preis wird nicht der Faktor sein, um den man sich Sorgen machen muss", sagte der Wingas-Chef mit Blick auf die Verbraucher. Der Anteil Russlands an den Gasimporten in Deutschland lag im Zeitraum Januar bis November 2012 bei 38 Prozent.

Im November hatte die Internationale Energieagentur (IEA) hohe Gaspreise, einen starken Wettbewerb bei erneuerbaren Energien und niedrige Preise für Emissionsrechte als Faktoren hinter einer aktuell eher schwachen Gasnachfrage ausgemacht. Die IEA prognostizierte allerdings zugleich bis 2020 eine starke Zunahme der EU-Gasimporte auf dann 406 Milliarden Kubikmeter (bcm) von 302 bcm im Jahr 2011.

Die Kasseler Wingas ist Deutschlands zweitgrößter Gasimporteur nach E.ON Ruhrgas. In der Branche wurde zuletzt über die abnehmende Rolle von Erdgas als Energieträger in Deutschland geklagt. Dabei verweisen Branchenteilnehmer häufig auf die Energiewende als eine der Ursachen, die erneuerbare Energien bevorzuge. Dies kritisiert auch König: "Die Energiewende hat die Schwachstelle, dass die Regierung sich nur auf Erneuerbare bezieht und andere Energieträger vernachlässigt", sagte der Manager. So sank nach Branchendaten 2012 der Anteil von Erdgas an der Stromerzeugung um 2,3 Punkte auf gerade einmal 11,3 Prozent. Der Anteil der erneuerbaren Energie lag dagegen bei rund 22 Prozent.