RWE bereitet Abschied von Atomtochter Urenco vor

Dienstag, 22. Januar 2013, 17:26 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Der Energiekonzern RWE will nach dem Verzicht auf den Bau neuer Atomkraftwerke offenbar seine Anteile an der Urantochter Urenco abstoßen.

"Urenco gehört für uns nicht zum Kerngeschäft", sagte Vorstandsmitglied Rolf Martin Schmitz der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag am Rande einer "Handelsblatt"-Energietagung in Berlin. Er wollte jedoch keine Angaben machen, ob RWE bereits Gespräche über einen Verkauf führt. Die Vertragsstrukturen bei Urenco seien sehr komplex, betonte Schmitz. Nach Angaben der ebenfalls beteiligten niederländischen Regierung will sich auch E.ON aus dem Geschäft zurückziehen. Der Düsseldorfer Konzern wollte sich dazu nicht äußern.

Den unter der Atomwende ächzenden Energiekonzernen würden Einnahmen aus einem Verkauf sehr gelegen kommen. Sie halten über die gemeinsame Tochter Uranit 33 Prozent an Urenco. Die übrigen Anteile kontrollieren die Niederlande und Großbritannien. Als Interessenten werden in Branchen- und Finanzkreisen neben dem französischen Atomkonzern Areva auch die Finanzinvestoren CVC und KKR gehandelt. Aus Industriekreisen war zudem verlautet, dass auch der japanische Toshiba-Konzern ein Gebot erwäge. Toshiba habe derzeit keine Kaufpläne, sagte jedoch am Dienstag ein ranghoher Vertreter des Konzerns der Nachrichtenagentur Reuters. Vor der Atomkatastrophe von Fukushima 2011 habe es aber solche Erwägungen gegeben. Urenco sei schlicht zu teuer. Das könne sich Toshiba nicht leisten. Sollten sich Partner finden, sehe das womöglich anders aus.

WERT VON URENCO WIRD AUF MEHRERE MILLIARDEN EURO BEZIFFERT

Analysten haben den Wert der in Großbritannien ansässigen Firma auf 2,5 bis 3,6 Milliarden Euro beziffert. Einige Banker haben sogar eine Summe von bis zu zwölf Milliarden Euro ins Spiel gebracht. Urenco beliefert Kraftwerksbetreiber mit angereichertem Uran. Die Firma hat auch eine Niederlassung in Gronau im Münsterland und erzielte im Jahr 2010 bei einem Umsatz von 1,3 Milliarden Euro einen Nettogewinn von 390 Millionen Euro.

Der Verkauf eines Anteils setzt nach dem 1971 geschlossenen Gründungsvertrag der Firma die Zustimmung der Regierungen aus Großbritannien, den Niederlanden und Deutschland voraus. Eine klare Linie gibt es bei den Anteilseignern bislang nicht. Die niederländische Regierung hat erklärt, ihren Anteil nicht zu verkaufen. Ein Sprecher des britischen Wirtschaftsministeriums hatte dagegen gesagt, die Regierung in London prüfe eine Veräußerung. Sie diskutiere über Optionen mit den anderen Urenco-Eignern. Eine Entscheidung sei aber noch nicht getroffen.

E.ON und RWE haben in den vergangenen Jahren bereits eine Reihe von Beteiligungen abgestoßen. Die Konzerne drücken hohe Schulden. Insbesondere RWE-Chef Peter Terium muss bei seinen geplanten Beteiligungsverkäufen noch drauflegen. Er will bis Ende dieses Jahres bis zu sieben Milliarden Euro durch Verkäufe einnehmen. Gut 1,8 Milliarden Euro hat er in der Kasse. E.ON-Chef Johannes Teyssen hat hingegen sein selbst gestecktes Ziel von 15 Milliarden Euro bereits übertroffen und knapp 17 Milliarden Euro eingenommen.

 
Wind generators and the Niederaussem coal power plant of RWE Power, one of Europe's biggest electricity and gas companies, are reflected in the roof of a car in Rheidt, north-west of Cologne October 11, 2012. REUTERS/Wolfgang Rattay