Douglas sucht nach Verlust Zukunft abseits der Börse

Dienstag, 22. Januar 2013, 16:40 Uhr
 

Düsseldorf (Reuters) - Der Handelskonzern Douglas sagt der Börse nach hohen Verlusten und einem unter den eigenen Erwartungen liegenden Weihnachtsgeschäft Adieu.

Die Gründer-Familie Kreke will die Douglas-Gruppe nun gemeinsam mit dem Finanzinvestor Advent "für die Herausforderungen der Zukunft rüsten - und zwar ganz bewusst jenseits der Börse", sagte Douglas-Chef Henning Kreke am Dienstag in Düsseldorf. Im vergangenen Geschäftsjahr habe das Unternehmen unter anderem wegen der teuren Neuausrichtung der Buchhandelstochter Thalia einen Verlust von 109,9 Millionen Euro angehäuft - zuvor hatte noch ein Gewinn von 87 Millionen Euro in den Büchern gestanden. Auf eine Dividende müssen die Douglas-Anteilseigner wie erwartet verzichten. Im ersten Quartal des neuen Geschäftsjahres 2012/13 mit dem wichtigen Weihnachtsgeschäft verzeichnete der Konzern ein leichtes Umsatzplus von 1,6 Prozent und legte Kreke zufolge damit eine "einigermaßen solide Basis" für die Zukunft.

"Wenn alles so verläuft wie vorgesehen, wird die Douglas-Gruppe in absehbarer Zeit nach fast fünf Jahrzehnten nicht mehr an der Börse notiert sein", kündige Kreke an. Der Handelskonzern mit seinen Douglas-Parfümerien, Christ-Schmuckgeschäften, Hussel-Confiserien und Thalia-Buchhandlungen steht vor der kompletten Übernahme durch den Finanzinvestor Advent und die Gründerfamilie Kreke. Sie bieten den Anteilseignern 38 Euro je Aktie und haben so bereits mehr als 95 Prozent der Anteilsscheine eingesammelt. Die verbliebenen Kleinaktionäre sollen aus dem Unternehmen gedrängt werden. Die Börsengeschichte des Konzerns hatte 1966 begonnen - damals waren erstmals Anteilsscheine des Douglas-Vorläufers Hussel im amtlichen Handel notiert worden.

ABSCHIED VON DER "QUARTALSDENKE"

Hintergrund der Entscheidung zum Rückzug von der Börse sei auch, dass Douglas so gut wie gar nicht auf den Kapitalmarkt angewiesen sei - Kapitalerhöhungen oder Anleihen spielten keine Rolle, betonte Kreke. Das ständige Auf und Ab des Börsenkurses habe den Fokus des Unternehmens zudem "zu sehr auf eine Quartalsdenke" gelenkt. Damit soll nun Schluss sein - Douglas schlage ein neues Kapitel in seiner Geschichte auf.

Und dieses könnte für den Konzern kein einfaches werden. Der gesamte Handel befinde sich in einer "tiefgreifenden Umbruchphase", räumte Kreke ein. Durch das Internet verändere sich das "Einkaufs- und Konsumverhalten der Menschen (..) dramatisch". Douglas hatte dies bereits bei der Tochter Thalia erleben müssen - die Buchhandelskette leidet unter der Konkurrenz von Online-Händlern wie Amazon, dessen Kunden ihre Schmöker auch auf den Tablet-Computer Kindle laden. Thalia rutschte in die Verlustzone, Restrukturierungskosten und Wertberichtigungen von 155 Millionen Euro für die Kette lasten auf der Douglas-Bilanz. Auf der Verkaufsliste stehe Thalia aber nicht - ebenso wenig wie die Süßwarenkette Hussel oder der Textilhändler AppelrathCüpper, unterstrich Kreke. "Wir stehen hinter Thalia und hinter der Neuausrichtung", versicherte der Douglas-Chef. Und die Zukunft des Konzerns abseits der Börse und der Quartalsberichte erlaube es, "ein wenig Geduld" bei der Thalia-Sanierung zu haben.

Die Auswirkungen des rasant wachsenden Online-Handels bekam der Konzern Kreke zufolge auch im Weihnachtsgeschäft zu spüren. In den Innenstädten sei die Kundenfrequenz anfangs eher gering gewesen, die Verbraucher informierten sich immer stärker im Internet über das Angebot. Erst in der letzten Weihnachtswoche zog das Geschäft an - die Käufer trieb dann auch die Sorge um, ein online bestelltes Geschenk könne nicht mehr rechtzeitig zum 24. Dezember eintreffen. Insgesamt verbuchte Douglas im Quartal ein Umsatzplus von 1,6 Prozent. Der Handelsriese Metro hatte im Weihnachtsgeschäft den Umsatz nur leicht steigern können, er legte um 0,5 Prozent auf 19,4 Milliarden Euro zu.

 
Pedestrians pass a branch of perfumery chain Douglas in Cologne January 21, 2013. REUTERS/Ina Fassbender