GM droht mit früherer Schließung von Bochumer Opel-Werk

Dienstag, 22. Januar 2013, 17:55 Uhr
 

Hamburg (Reuters) - General Motors erhöht den Druck auf seine angeschlagene Tochter Opel.

Sollte bis Februar keine Einigung mit dem Betriebsrat und der IG Metall über ein neues Sparpaket erzielt sein, fühlt sich das Management nicht mehr an frühere Angebote gebunden. Die Fahrzeug-Produktion in Bochum würde dann bereits zum 1. Januar 2015 eingestellt, stellte GM-Vize-Chef Stephen Girsky in einem am Dienstag veröffentlichen Schreiben an die Belegschaft klar. Bisher will GM die Produktion des Familienwagens Zafira dort 2016 auslaufen lassen. "Was wir brauchen, sind weitere beträchtliche Einsparungen", betonte Girsky, der auch den Aufsichtsrat der Rüsselsheimer Tochter leitet. Alles deute darauf hin, dass der Markt in Westeuropa in diesem Jahr weiter schrumpfe. Solange Opel Verluste mache, könne man sich auch keine Lohnerhöhungen leisten.

"An allen deutschen Standorten und in allen Unternehmensbereichen müssen wir Lösungen finden, um flexibler zu werden, Bürokratie abzubauen und Kosten zu senken", forderte Girsky. Opel dürfe keine Zeit verlieren. Es sei eine Illusion zu glauben, dass sich der Markt rasch erhole und sich die Europa-Tochter dadurch aus der Zwangslage befreien könne. GM sei bereit, Opel finanziell zu unterstützen. Im Gegenzug müsse die Europa-Tochter wieder profitabel werden.

GM verhandelt bereits seit vergangenen Sommer über weitere Einschnitte und hat angekündigt, das Opel-Werk in Bochum in den nächsten Jahren zu schließen. Die Gespräche laufen nur schleppend. Parallel hat der US-Konzern ein Investitionsprogramm aufgelegt, um das Europageschäft mit den beiden Marken Opel und Vauxhall in die Gewinnzone zu führen. Zahlreiche neue Modelle sollen in den nächsten Jahren an den Start gehen. Den Anfang machen der kleine Geländewagen Mokka, der Stadtwagen Adam und das Cabriolet Cascada.

BOCHUM WIRD SPIELBALL

Girsky betonte, dass weder die nächste Generation des Familienwagens Zafira noch - wie von Arbeitnehmervertretern vorgeschlagen - der Nachfolger des gerade auf den Markt gebrachten Mokka für Bochum als Ersatz für den Zafira infrage kämen. GM hatte Betriebsrat und Gewerkschaft angeboten, den Ausschluss betriebsbedingter Kündigung für alle Werke bis Ende 2016 zu verlängern. Im Gegenzug sollten die Arbeitnehmer die Schließung der Fabrik im Ruhrgebiet zu diesem Zeitpunkt akzeptieren. Der gegenwärtige Standortsicherungsvertrag läuft Ende 2014 aus. Sollten sich Management und Arbeitnehmer in den Verhandlungen nicht einigen, ende die Fertigung des aktuellen Zafira-Modells bereits Anfang 2015, sagte Girsky.

Die IG Metall hat mehrfach betont, sie kämpfe für den Erhalt der Autoproduktion in Bochum. Die Drohung, den Standort zu schließen, bezeichnete sie als "inakzeptabel". Um am Verhandlungstisch eine Einigung zu erzielen, hatte die Gewerkschaft die branchenweit ausgehandelte Lohnerhöhung von 4,3 Prozent dem Unternehmen gestundet.

IG-METALL-CHEF KRITISIERT OPEL-MANAGEMENT

IG-Metall-Chef Berthold Huber kritisierte Opel scharf. "Eine derart schlecht geführte und vorbereitete Verhandlung, wie sie das Management von Opel seit dem Frühsommer letzen Jahres bietet, habe ich in meiner langen Tarifkarriere noch nie erlebt, und das heißt was", sagte Huber in Frankfurt. Zu Girskys Schreiben wollte er sich nicht äußern.   Fortsetzung...

 
Workers of European carmaker Opel leave a staff meeting in Bochum December 10, 2012. REUTERS/Ina Fassbender