Ex-Manager - Konsortium will Atomfirma Urenco kaufen

Dienstag, 22. Januar 2013, 18:32 Uhr
 

Paris/Berlin (Reuters) - Die Energiekonzerne E.ON und RWE stoßen beim Verkauf ihrer Anteile an der europäischen Atomfirma Urenco offenbar auf das Interesse eines Firmenkonsortiums.

Der frühere Urenco-Manager Patrick Upson sagte am Dienstag, eine Gruppe wolle ein Gebot für 66 Prozent der Anteile abgeben, wenn von deutscher und britischer Seite ein Verkaufsverfahren eröffnet werde. Er deutete zudem an, dass sich in der Gruppe Partner aus der Industrie und Finanzwirtschaft zusammengetan haben. Namen nannte er nicht. Die Bundesregierung müsste einer Änderung der Anteilsstruktur zustimmen und stellte dafür Bedingungen.

Wegen des Atomausstieges in Deutschland wollen sich RWE und E.ON von ihren Urenco-Anteilen trennen. Sie halten über die gemeinsame Tochter Uranit 33 Prozent. Die übrigen Anteile kontrollieren die Niederlande und Großbritannien. Urenco beliefert Atomkraftwerke mit angereichertem Uran. Die niederländische Regierung will ihre Anteile bislang nicht verkaufen. Sollte sich die Regierung in Den Haag doch anders entscheiden, sei auch die komplette Übernahme durch das Konsortium denkbar, sagte der frühere Urenco-Technikdirektor Upson.

Der Manager bewertet das Unternehmen nach eigenen Worten mit etwa zehn Milliarden Euro. Er erwarte, dass die Ausschreibung Ende März beginne. Britische Medien hatten im August vergangenen Jahres berichtet, dass Upson ein Konsortium zum Kauf von Urenco bilden wolle.

Als Interessenten werden in Branchen- und Finanzkreisen neben dem französischen Atomkonzern Areva auch die Finanzinvestoren CVC und KKR gehandelt. Aus Industriekreisen war zudem verlautet, dass auch der japanische Toshiba-Konzern ein Gebot erwäge. Toshiba habe derzeit aber keine Kaufpläne, sagte dagegen am Dienstag ein ranghoher Vertreter des Konzerns der Nachrichtenagentur Reuters. Vor der Atomkatastrophe von Fukushima 2011 habe es solche Erwägungen gegeben. Urenco sei nun schlicht zu teuer. Sollten sich Partner finden, sehe die Lage womöglich anders aus.

BUNDESREGIERUNG WILL KNOW-HOW SICHERN

Die Bundesregierung bestätigte die Verkaufsabsichten von RWE, E.ON und der britischen Regierung. Über potenzielle Käufer lägen aber keine Informationen vor, sagte eine Sprecherin von Wirtschaftsminister Philipp Rösler.

In einer Reuters vorliegenden Antwort des Ministeriums auf eine parlamentarische Anfrage der Linkspartei geht die Regierung ins Detail. Darin ist von ersten Informationsgesprächen zwischen einzelnen Ministerien die Rede. Konkrete Verkaufsgespräche gebe es derzeit aber nicht. Das Schreiben ist auf den 17. Januar datiert.

Zugleich machte das Ministerium klar, dass die Regierung für eine Zustimmung zu einem Verkauf Bedingungen stellt. "Die Bundesregierung wird mögliche Änderungen an der Anteilsstruktur von Urenco nur zustimmen, wenn auch weiterhin nukleare Nichtverbreitung, Sicherung der Technologie und wirtschaftliche Solidität bei Urenco sichergestellt sind", heißt es in dem Schreiben.

Den unter der Atomwende ächzenden Konzernen RWE und E.ON würden Einnahmen aus einem Verkauf sehr gelegen kommen. "Urenco gehört für uns nicht zum Kerngeschäft", sagte RWE-Vorstandsmitglied Rolf Martin Schmitz Reuters am Rande einer "Handelsblatt"-Energietagung. Er machte keine Angaben, ob RWE bereits Gespräche über einen Verkauf führt. E.ON hat sich noch nicht geäußert.

Urenco erzielte im Jahr 2010 bei einem Umsatz von 1,3 Milliarden Euro bei einen Nettogewinn von 390 Millionen Euro. Analysten haben den Wert der in Großbritannien ansässigen Firma auf 2,5 bis 3,6 Milliarden Euro beziffert. Einige Banker haben sogar eine Summe von bis zu zwölf Milliarden Euro ins Spiel gebracht. Der Verkauf von Anteilen setzt nach dem 1971 geschlossenen Gründungsvertrag der Firma die Zustimmung der Regierungen aus Großbritannien, den Niederlanden und Deutschland voraus.

 
German police officers stand guard outside the German uranium enrichment plant of URENCO Ltd. during an anti-nuclear protest march through the western German town of Gronau close to the Dutch/German border in North-Rhine Westphalia March 11, 2012. Reuters/Wolfgang Rattay