SAP will sich weiter gegen die Konjunkturflaute stemmen

Mittwoch, 23. Januar 2013, 14:08 Uhr
 

Stuttgart (Reuters) - Europas größter Software-Entwickler SAP strotzt nach Rekordumsätzen vor Zuversicht und will sich auch im laufenden Jahr von der widrigen Konjunktur nicht aus dem Tritt bringen lassen.

Die Walldorfer bauen vor allem auf die mit Milliarden-Ausgaben etablierten Geschäftsfelder Cloud-Computing und Datenbank-Analyse, mit denen sie den Erzrivalen Oracle unter Zugzwang setzen. "Wir waren niemals stärker", sagte Co-Vorstandschef Jim Hagemann Snabe am Mittwoch bei Vorlage der Bilanz für das vergangene Jahr, in dem SAP - pünktlich zum 40-jährigen Firmenjubiläum - eine Bestmarke beim Umsatz von 16,2 Milliarden Euro verbuchte.

"Wir können die Wachstumsgeschwindigkeit im Jahr 2013 und darüber hinaus halten", sagte der Manager und stellte für dieses Jahr erneut prozentual zweistellige Zuwachsraten beim Verkauf von neuen Software-Lizenzen und Wartungsverträgen in Aussicht. Zum Vergleich: Die Marktforscher von Gartner rechnen 2013 nur mit einem Zuwachs der weltweiten Nachfrage für Unternehmens-Software um 6,4 Prozent auf 296 Milliarden Euro. Nach dem Rückgang der Rentabilität im vergangenen Jahr soll auch die Ertragskraft im laufenden Jahr wieder steigen und Kurs auf das für 2015 gesetzte Margenziel von 35 Prozent nehmen. "Wir werden 2013 unsere Profitabilität steigern", versprach Finanzchef Werner Brandt.

SAP UND IBM SORGEN ZUVERSICHT BEI INVESTOREN

Im Leitindex Dax setzten sich die SAP-Aktien mit einem Kursanstieg um 2,2 Prozent an die Spitze der Gewinnerriege. An der Börse ist SAP knapp hinter Siemens das am zweithöchsten bewertete deutsche Unternehmen. "Der Ausblick von IBM zieht die gesamte Branche mit nach oben, und davon profitiert auch SAP", sagte ein Händler. Der US-IT-Dienstleister verbuchte im Schlussquartal einen Gewinnsprung um zehn Prozent auf 6,1 Milliarden Dollar und will auch 2013 mehr verdienen. Damit wächst bei den Investoren die Zuversicht, dass sich die IT-Branche von der schwachen Konjunktur abkoppeln kann. Denn auch SAP-Rivale Oracle hatte zuletzt Hoffnungen auf weiterhin gute Geschäfte mit Computerprogrammen für die betriebliche Nutzung geschürt: "Die Leute wollen Geschäfte abschließen", hatte Oracle-Finanzchefin Safra Catz vor dem Jahreswechsel gesagt. Die Amerikaner kämpfen derzeit zwar mit Einbußen in der zugekauften Geschäftssparte Server, fahren aber SAP bei der Rentabilität weit voraus.

Nie war SAP-Software zur Unternehmenssteuerung gefragter als im vergangenen Jahr: Der Konzern verkaufte Software und Wartungsdienste für 13,25 Milliarden Euro an seine weltweit rund 230.000 Kunden, was ohne Berücksichtigung von Wechselkursänderungen und Sondereffekten einem Plus von 13 Prozent entspricht. Dieses Tempo will SAP in etwa halten und stellte für 2013 ein Plus um weitere 11 bis 13 Prozent in Aussicht. Parallel dazu wird der operative Gewinn ohne Sondereffekte bei konstanten Wechselkursen laut Finanzchef Brandt auf 5,85 bis 5,95 Milliarden Euro steigen. 2012 verdiente SAP vor Steuern und Zinsen 5,21 Milliarden Euro, was einem operativen Margerückgang auf 31,9 von 33 Prozent im Vorjahr entspricht.

Denn SAP hatte den unprofitablen Cloud-Software-Entwickler SuccessFactors sowie die Internet-Beschaffungsplattform Ariba erworben und damit seine Ertragskraft verwässert. Im vierten Quartal habe die Geschäftssparte Cloud-Software, bei der Computerprogramme über das Internet genutzt und nicht mehr auf dem Computer gespeichert werden, bereits Gewinne abgeworfen. Der Umsatz mit Cloud-Software soll nun rapide wachsen: Im laufenden Jahr sei mit einer Verdoppelung der Erlöse auf rund eine Milliarde Euro zu rechnen. "Wir schätzen das positiv ein", schrieb die Investmentbank Goldman Sachs in einem Kommentar. "Das Cloud-Geschäft wird an Schwung gewinnen." Neben SAP setzt auch die Konkurrenz auf Cloud-Software, Oracle kaufte im vergangenen Jahr ebenfalls in diesem wachstumsstarken Geschäft zu.

Große Hoffnungen setzt SAP auch in die Datenbank-Analyse-Software Hana, die ihren Umsatz 2013 auf 650 bis 700 Millionen Euro (Vorjahr: 392 Millionen Euro) hochschrauben soll. Mit dieser von Firmengründer Hasso Plattner forcierten Software können Unternehmen ihre Geschäftsdaten aus Produktion, Materialwirtschaft oder Personalverwaltung in Echtzeit verarbeiten: Langwierige Datenbank-Abfrage entfallen damit, verspricht SAP seinen Kunden. Die Walldorfer setzen darauf, dass in den nächsten Jahren mehrere tausend Unternehmenskunden die Software einkaufen und auf Oracle-Datenbanken verzichten.

 
Logo of German company SAP is pictured at the CeBit computer fair in Hanover, March, 6, 2012. The biggest fair of its kind will run to March 10, 2012. REUTERS/Fabian Bimmer (GERMANY - Tags: BUSINESS TELECOMS SCIENCE TECHNOLOGY LOGO)