TUI will britische Tochter doch nicht ganz übernehmen

Mittwoch, 23. Januar 2013, 15:26 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Der größte europäische Reisekonzern TUI will seine britische Tochter doch nicht ganz übernehmen.

Der Konzern sagte am Mittwoch nach nur einer Woche die Pläne für die Fusion mit TUI Travel ab. Der angedachte Aktientausch entspreche beim jetzigen Austauschverhältnis nicht den Interessen der TUI-Eigner. Angesichts des niedrigen Aktienkurses der deutschen TUI war das Geschäft für das Management um den scheidenden Chef Michael Frenzel offensichtlich nicht reizvoll. Die TUI AG werde ihre Rolle als Mehrheitsaktionär uneingeschränkt fortsetzen, hieß es.

TUI hält mit einem Aktienanteil von 56 Prozent bei TUI Travel die Zügel in der Hand. Analysten erachten ein Zusammengehen der beiden Firmen weiter als sinnvoll, weil damit viel Geld gespart werden könne. Allerdings sollte die Hochzeit unter anderen Vorzeichen stattfinden. Insider aus dem Umfeld der Großaktionäre hatten der Nachrichtenagentur Reuters gesagt, dass etwa TUI Travel seinen Mutterkonzern aus Hannover schlucken könnte.

Bei Anlegern kam das vorläufige Aus für die Fusionspläne nicht gut an: Die im MDax gelisteten TUI-Aktien brachen um knapp sechs Prozent ein - die an der Londoner Börse notierten TUI-Travel-Papiere büßten über vier Prozent ein. "Der Markt rechnet jetzt nicht mehr mit einer Fusion. Das war es nun", sagte ein Aktienhändler.

ANALYST: FUSION HÄTTE WERT ZERSTÖRT

Die Annäherung der beiden Unternehmen wurde vor einer Woche öffentlich, als bekanntwurde, dass die TUI AG aus Hannover ihre Tochter TUI Travel wegen eines Zusammenschlusses kontaktiert hatte. Nach Aussagen von TUI Travel sollte ein Zusammenschluss bevorzugt als Aktienfusion ohne Aufschlag auf den Preis der Papiere stattfinden. Bei solchen Deals erhalten die Altaktionäre üblicherweise Anteilsscheine des neuen Unternehmens, aber kein Geld.

Nach Ansicht von Equinet-Analyst Jochen Rothenbacher war die vorgeschlagene Fusion für die Deutschen wenig vorteilhaft. Damit wäre Wert für die TUI-Aktionäre zerstört worden, da sie - basierend auf der Marktkapitalisierung - an dem fusionierten Unternehmen lediglich 54 Prozent gehalten hätten, sagte er. Um die Fusion attraktiver zu machen, hätte der Anteil der TUI-AG-Eigner eher Richtung 60 Prozent gehen müssen. Dazu müssten die TUI-Scheine auf 10,20 Euro steigen. Der Weg dahin ist weit: Derzeit liegt der Kurs bei 7,45 Euro. Ärgerlich für den Konzern: Das 56-Prozent-Paket an TUI Travel ist mit 2,2 Milliarden Euro mehr wert als die gesamte TUI AG, die an der Börse mit zwei Milliarden Euro taxiert wird.

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TUI musste sich - nachdem die Gespräche schon öffentlich waren - nach britischem Aktienrecht bis Mitte Februar endgültig erklären. Einen neuen Anlauf für eine Übernahme dürfen die Hannoveraner in den kommenden sechs Monaten nicht starten. Das gelte aber nicht für den umgekehrten Fall eines Gebots der Tochter für die Mutter, sagten ein Banker und ein Anwalt übereinstimmend. Sprecher von TUI Travel und der TUI AG wollten sich dazu nicht äußern.

Reuters hatte über die Pläne einiger Großaktionäre des TUI-Konzers berichtet, die Tochter solle die Mutter übernehmen, weil die Briten die Übernahme leichter stemmen könnten. Die Idee sei, zwei Unternehmen aus der selben Branche zusammenzubringen, hieß es im Umfeld eines der größten Aktionäre. Favorisiert werde ein Modell, bei dem TUI Travel die TUI AG kaufe, hatten drei mit der Sache vertraute Personen Reuters gesagt. Eine Fusion könnte Einsparungen von 500 Millionen Euro bringen, sagten zwei Insider. Analysten veranschlagen das Sparpotenzial auf lediglich 100 Millionen Euro.

TUI Travel entstand 2007 durch die Fusion von großen Teilen des TUI-Reisegeschäfts mit dem britischen Rivalen First Choice. Seitdem ist die Tochter an der Londoner Börse notiert. Jedoch wurden nicht alle Reiseaktivitäten verschoben - unter anderem gehören die Kreuzfahrtsparte und einige Hotels noch zum Mutterkonzern, ebenso wie der Restanteil an Hapag-Lloyd. Seit Jahren prüfen die Eigner Konzepte, um die Kosten bei TUI und TUI Travel durch ein Zusammengehen zu drücken. Die Unternehmen verfügen beispielsweise über eigene Zentralen in Hannover und London.

 
The logo of German tourism group TUI AG, owner of Europe's largest travel company TUI Travel, is pictured on a computer screen through sunglasses in this illustration picture taken in Lavigny May 20, 2012. REUTERS/Valentin Flauraud (SWITZERLAND - Tags: TRAVEL BUSINESS)