SAP will sich weiter gegen die Konjunkturflaute stemmen

Mittwoch, 23. Januar 2013, 17:37 Uhr
 

Stuttgart (Reuters) - Europas größter Software-Entwickler SAP strotzt nach Rekordumsätzen vor Zuversicht und will sich auch im laufenden Jahr von der widrigen Konjunktur nicht aus dem Tritt bringen lassen.

Die Walldorfer bauen auf ihre mit Milliarden-Ausgaben entwickelten Geschäftsfelder Cloud-Computing und Datenbank-Analyse, mit denen sie den Erzrivalen Oracle unter Zugzwang setzen. "Wir waren niemals stärker", sagte Co-Vorstandschef Jim Hagemann Snabe am Mittwoch bei Vorlage der Bilanz für das vergangene Jahr, in dem SAP - pünktlich zum 40-jährigen Firmenjubiläum - mit Rekordinvestitionen eine Bestmarke beim Umsatz von 16,2 Milliarden Euro verbuchte. SAP will sich nun auf die Profitabilität konzentrieren und die hochgeschnellten Ausgaben drosseln.

"Wir können die Wachstumsgeschwindigkeit im Jahr 2013 und darüber hinaus halten", sagte der Manager und stellte für dieses Jahr erneut Zuwachsraten im zweistelligen Prozentbereich beim Verkauf von neuen Software-Lizenzen und Wartungsverträgen in Aussicht. Zum Vergleich: Die Marktforscher von Gartner rechnen 2013 nur mit einem Zuwachs der weltweiten Nachfrage für Firmen-Software um 6,4 Prozent auf 296 Milliarden Euro. Nach dem Rückgang der Rentabilität im Jahr 2012 soll die Ertragskraft von SAP in diesem Jahr wieder über 32 Prozent steigen und Kurs auf das für 2015 gesetzte Margenziel von 35 Prozent nehmen. "Wir werden unsere Profitabilität steigern", versprach Finanzchef Werner Brandt.

SAP UND IBM SORGEN ZUVERSICHT BEI INVESTOREN

Im Dax lagen die SAP-Aktien mit einem Kursanstieg um 2,4 Prozent an der Spitze der Gewinnerriege. An der Börse ist SAP knapp hinter Siemens das am zweithöchsten bewertete deutsche Unternehmen. "Der Ausblick von IBM zieht die gesamte Branche mit nach oben, und davon profitiert auch SAP", sagte ein Händler. Der US-IT-Dienstleister verbuchte im Schlussquartal einen Gewinnsprung um zehn Prozent auf 6,1 Milliarden Dollar und will auch 2013 mehr verdienen. Damit wächst bei Investoren die Zuversicht, dass sich die IT-Branche von der schwachen Konjunktur abkoppeln kann. Denn auch Oracle hatte zuletzt Hoffnungen auf weiter gute Geschäfte mit Software für die betriebliche Nutzung geschürt, obwohl die Amerikaner mit Einbußen in der zugekauften Sparte Server kämpfen. Bei der Rentabilität fahren sie SAP aber weit voraus.

Die SAP-Software war 2012 so gefragt wie nie zuvor: Der Konzern verkaufte Software und Wartungsdienste für 13,25 Milliarden Euro an seine weltweit rund 230.000 Firmenkunden, ein Plus von 13 Prozent ohne Berücksichtigung von Wechselkursänderungen und Sondereffekten. Dieses Tempo will SAP halten und stellte für 2013 ein Zuwachs um weitere 11 bis 13 Prozent in Aussicht. "Beim Umsatz liegen wir derzeit vor unserem Zeitplan", sagte Co-Chef Snabe der Nachrichtenagentur Reuters. "Deshalb gehen wir davon aus, die Erlöse bis 2015 auf mehr als 20 Milliarden Euro zu steigern."

Auch beim Gewinn will SAP nun die Früchte der knapp sechs Milliarden Euro teuren Übernahmen - des unprofitablen Cloud-Software-Entwickler SuccessFactors sowie der Internet-Beschaffungsplattform Ariba - ernten, die 2012 die Ertragskraft verwässerten. Im vierten Quartal warf Cloud-Software, die über das Internet genutzt und nicht mehr auf dem Computer gespeichert wird, bereits Gewinne ab. "Das Cloud-Geschäft wird profitabler, da unser Geschäftsvolumen stark zunimmt", sagte Snabe. Im laufenden Jahr sei mit einer Verdoppelung der Erlöse auf rund eine Milliarde Euro zu rechnen. Die Investmentbank Goldman Sachs äußerte sich darüber positiv. "Das Cloud-Geschäft gewinnt an Schwung." Auch Oracle hatte zuletzt in dem Wachstumsmarkt zugekauft, als Pionier gilt Salesforce.

Ein weiterer SAP-Hoffnungsträger ist die Datenanalyse-Software Hana, die ihren Umsatz 2013 auf 650 bis 700 (Vorjahr: 392) Millionen Euro hochschrauben soll. Mit der von Firmengründer Hasso Plattner vorangetriebenen Software können Unternehmen ihre Daten aus Produktion, Materialwirtschaft oder Personalverwaltung in Echtzeit verarbeiten: Langwierige Datenbank-Abfrage entfielen damit, verspricht SAP seinen Kunden. Die Walldorfer setzen darauf, dass in den kommenden Jahren Tausende Unternehmenskunden die Software kaufen und auf Oracle-Datenbanken verzichten. "Mit Hana haben wir einige Jahre Vorsprung vor dem Wettbewerb", zeigte sich Snabe überzeugt.

SAP ERWÄGT BÖRSENGANG IN CHINA

Wie andere deutsche Konzerne richtet auch SAP den Blick verstärkt ins Reich der Mitte. "Wir prüfen derzeit einen Börsengang in China, haben aber dazu noch keine Entscheidung getroffen", sagte der gemeinsam mit Bill McDermott an der Vorstandsspitze stehende Snabe: "Um in China erfolgreich zu sein, muss man Teil von China werden." Ein Börsengang könne das Engagement in China unterstreichen. Derzeit versucht SAP mit Unterstützung der Bundesregierung eine Lizenz für Cloud-Dienste in China zu ergattern. Außer in Deutschland ist SAP auch in den USA an der Börse notiert.

 
Logo of German company SAP is pictured at the CeBit computer fair in Hanover, March, 6, 2012. The biggest fair of its kind will run to March 10, 2012. REUTERS/Fabian Bimmer (GERMANY - Tags: BUSINESS TELECOMS SCIENCE TECHNOLOGY LOGO)