Opel gibt wichtige Fahrzeugprojekte an Peugeot ab

Donnerstag, 24. Januar 2013, 16:59 Uhr
 

Brüssel/Hamburg (Reuters) - Der US-Autokonzern General Motors gibt zwei wichtige Fahrzeugprojekte der deutschen Tochter Opel in die Hände seines französischen Partners PSA Peugeot Citroen.

GM und Peugeot gaben am Donnerstag in Brüssel bekannt, dass sie künftig drei gemeinsame Fahrzeug-Architekturen nutzen wollten, um Kosten zu sparen. Zwei der neuen Plattformen - eine für kompakte Familienwagen in der Größe des Opel Zafira und eine für Autos im Segment des Opel Meriva - sollen auf der Technologie von PSA basieren. Die Franzosen gelten als besonders erfahren beim Bau von Großraum-Pkw. Im Kleinwagen-Segment des Opel Corsa wollen die beiden Partner gemeinsam den Unterbau für Modelle mit geringem CO2-Ausstoß entwickeln.

Die ersten Autos der Allianz sollen 2016 auf den Markt kommen. Zu Standorten oder Investitionen machten Peugeot-Chef Philipp Varin und GM-Vize Stephen Girsky bei der Präsentation des Abkommens keine Angaben.

Als Ausgleich für die Vergabe der beiden kompakten Modelle an Peugeot soll Opel den Zuschlag für die Nachfolger der Familienwagen Peugeot 2008 und Citroen C3 Picasso erhalten. Die Beschäftigten im Entwicklungszentrum in Rüsselsheim brauchten sich keine Sorge zu machen, sagte Girsky. Aus heutiger Sicht sei kein Stellenabbau mit der Allianz verbunden.

Auf Basis der Plattformen wollen der französische Zwei-Marken-Konzern und die GM-Tochter Opel in Eigenregie Karosserien für ihre jeweiligen Modelle entwickeln, wie ein Opel-Sprecher erläuterte. Ausnahme ist der Meriva-Nachfolger, dessen Karosserie auch für Peugeot in Rüsselsheim entstehen soll. Unter der Karosserie sollen die Autos beider Konzerne die gleiche Technik nutzen. Zur Perfektion hat Volkswagen dieses Prinzip entwickelt: Die Wolfsburger sind inzwischen schon einen Schritt weiter, in dem sie über mehrere Marken hinweg gleiche Module einsetzen. Auch andere Autobauer wie Toyota nutzen gemeinsame Plattformen.

HOHE EINSPARUNGEN

GM und Peugeot erwarten hohe Einsparungen durch die gemeinsame Entwicklung. Sie arbeiten zudem beim Einkauf und in der Logistik zusammen. Zu Anfang ihrer Gespräche im Februar hatten die beiden Autobauer nach fünf Jahren Kostenvorteile von jährlich 1,5 Milliarden Euro durch die Allianz in Aussicht gestellt. Damals war allerdings schon klar, dass die Einsparungen in den ersten Jahren geringer ausfallen werden.

Damit sind beide Partner darauf angewiesen, ihre überlebenswichtigen Einsparungen zunächst auf eigene Faust durchzusetzen. Opel und Peugeot Citroen verkaufen wegen der Schuldenkrise in Europa kaum Autos und können ihre Fabriken nicht auslasten. Beide schreiben rote Zahlen. Deshalb will Peugeot Tausende Stellen streichen und mindestens ein Werk dichtmachen. Opel will seine Fabrik in Bochum mit knapp 3400 Beschäftigten Ende 2016 schließen, wenn dort die Produktion des Modells Zafira ausläuft. Das Management hat dem Betriebsrat und der IG Metall allerdings bereits angedroht, die Produktion im Ruhrgebiet zwei Jahre früher enden zu lassen, falls man sich nicht bis Februar auf ein neues Sparpaket einigt.

 
The logos of German General Motors daughter Opel and French car maker Peugeot are seen at a Opel and Peugeot dealership in Leverkusen near Cologne October 22, 2012. Picture taken October 22. REUTERS/Wolfgang Rattay (GERMANY)