Bank Monte Paschi verliert mit Finanzwetten 720 Mio Euro

Donnerstag, 24. Januar 2013, 17:23 Uhr
 

Mailand/Rom (Reuters) - Derivate- und andere Handelsgeschäfte haben der italienischen Bank Monte dei Paschi di Siena (BMPS) einen Verlust von etwa 720 Millionen Euro eingebrockt.

"Ja. Der aktuelle Fehlbetrag hat ungefähr dieses Volumen", sagte Bankchef Fabrizio Viola der Zeitung "Il Messagero". Wenige Stunden später räumte die älteste Bank der Welt ein, dass die bereits im November beantragten 500 Millionen Euro an zusätzlichen Staatshilfen möglicherweise doch nicht genug seien, um die Verluste zu decken. Weitere Maßnahmen könnten nötig werden, schrieb Viola am Donnerstag in einem Brief an die Mitarbeiter. Einzelheiten nannte er nicht. Die Voraussetzungen für die Zahlung der Staatshilfe seien noch nicht erfüllt, betonte das Finanzministerium. Anleger fürchteten eine Verstaatlichung und flohen erneut in Scharen aus der BMPS-Aktie.

Italiens drittgrößtes Geldhaus, das Staatsanleihen des Landes im Volumen von 24 Milliarden Euro hält, wollte sich mit Derivate-Geschäften gegen Zinsschwankungen bei den Papieren absichern. Das ging gründlich schief. Derzeit prüft die Bank drei Derivate-Geschäfte, darunter die sogenannte Santorini-Transaktion mit der Deutschen Bank. Zudem sieht sich die BMPS den Alexandria-Deal mit dem japanischen Geldhaus Nomura sowie das Nota-Italia-Geschäft mit einer ungenannten Bank genau an. Die Ergebnisse der Untersuchung sollen Mitte Februar vorliegen.

Monte Paschi kämpft derzeit mit vielen Problemen. Sie war als einzige Bank Italiens bei einem europäischen Stresstest durchgefallen und hat insgesamt Staatshilfen über 3,9 Milliarden Euro beantragt, 500 Millionen Euro davon erst im November zur Abdeckung möglicher Verluste aus Handelsgeschäften. Noch ist allerdings kein Geld geflossen. Am Freitag sollen die Aktionäre dem Antrag auf Staatshilfe zustimmen. Dann müsse die italienische Zentralbank grünes Licht geben, erklärte das Finanzministerium. Erst dann könne das Geld überwiesen werden.

ANALYSTEN FÜRCHTEN WEITERE VERLUSTE UND VERSTAATLICHUNG

Noch am Mittwoch hatte BMPS erklärt, die Einbußen aus den Derivate-Geschäften könnten mit den im November beantragten Extra-Hilfen gedeckt werden. Bei den am Donnerstag genannten 720 Millionen Euro handele es sich um "einen vorläufig geschätzten Verlust", sagte ein Insider Reuters. So seien etwa auch steuerliche Aspekte zu berücksichtigen. Die Anleger nahmen Reißaus: Die Aktie verlor am Donnerstag rund sieben Prozent, der Börsenwert fiel auf rund 2,8 Milliarden Euro.

"Die Aktionäre fürchten, dass es weitere verlustträchtige Transaktionen gibt", sagte ein Analyst, der ungenannt bleiben wollte. Er verwies darauf, dass die Bank in ihrer Mitteilung nur von drei Geschäften gesprochen habe, die sie analysiere. Doch die Höhe des Verlustes verschreckte die Anleger doch.

Bankchef Viola versuchte zu beruhigen. Das Management drehe jeden Stein um, um weitere negative Überraschungen auszuschließen. Es handele sich aber um eine reine Vorsichtsmaßnahme. "Ich denke, wir stehen kurz davor, die Aufräumarbeiten zu beenden", sagte Viola der Zeitung.

Auch ohne weitere Hiobsbotschaften ist die Lage der Bank sehr angespannt. "Die Qualität der Anlagen verschlechtert sich massiv und untergräbt die Kapitalbasis. Es besteht das Risiko, dass Monte Paschi verstaatlicht wird und sich die Anleihegläubiger an einer Sanierung der Bank beteiligen müssen", sagte ein Bankanalyst.

BMPS hatte am Mittwoch erklärt, das frühere Management habe keines der Geschäfte dem Verwaltungsrat zur Genehmigung vorgelegt. Allein das Geschäft mit Nomura brockte der Bank Medienberichten zufolge Verluste von mindestens 220 Millionen Euro ein. Die japanische Bank hatte erklärt, die Transaktion sei von Giuseppe Mussari, der bis 2012 Verwaltungsratsvorsitzender von BMPS war, geprüft und gebilligt worden. Mussari war am Dienstag als Chef des italienischen Bankenverbands ABI zurückgetreten.

Bei den Alexandria- und Santorini-Geschäften handelte es sich BMPS zufolge um Investitionen in langfristige italienische Staatsanleihen, die mit Hilfe von Rückkaufvereinbarungen (Repo-Geschäften) finanziert worden seien. Auch die Nota-Italia-Transaktion hing von der Wertentwicklung italienischer Bonds ab.