Unklarheit über neue deutsche EADS-Verwaltungsräte

Freitag, 25. Januar 2013, 15:29 Uhr
 

Brüssel (Reuters) - Die Bundesregierung wird als Großaktionär bei EADS offenbar keine Politiker in den Verwaltungsrat des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns entsenden.

Vielmehr sollen Insidern zufolge Daimler-Aufsichtsratschef Manfred Bischoff und der frühere BDI-Präsident und Ex-Hochtief-Chef Hans-Peter Keitel in das einflussreiche Gremium rücken. Dem habe inzwischen der Verwaltungsrat zugestimmt, erfuhr Reuters aus den Kreisen. Das aber widerspricht Äußerungen der Bundesregierung. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, es liege in der Verantwortung des alten Verwaltungsrates, dazu Vorschläge zu machen und zu entscheiden. "Ein solcher Beschluss liegt nach Kenntnis der Bundesregierung bisher nicht vor", ergänzte Seibert. EADS wollte sich nicht äußern.

Das "Handelsblatt" hatte am Freitag berichtet, Kanzlerin Angela Merkel habe den Vorschlag von EADS-Chef Tom Enders zu Bestellung von Bischoff und Keitel bereits abgesegnet. Die Zeitung berief sich dabei auf Regierungskreise. Seibert allerdings bestätigte das auf Nachfrage ausdrücklich nicht.

Die staatlichen Großaktionäre der Airbus-Mutter hatten sich Ende 2012 nach hartem Ringen auf eine neue Aktionärsstruktur bei EADS verständigt. Danach wird künftig Deutschland ebenso wie Frankreich einen Anteil von zwölf Prozent am stimmberechtigten EADS-Kapital halten. Das soll die von Merkel immer wieder beschworene deutsch-französische Balance im Eigentümerkreis sichern. Zugleich hatten die staatlichen Aktionäre - neben Deutschland und Frankreich ist das Spanien - aber auf Sonderrechte verzichtet.

EADS-Chef Tom Enders, ein Deutscher, tritt seit langem dafür ein, das Unternehmen unabhängiger von der Politik zu machen. Bestätigen sich die Informationen über die Personalien Bischoff und Keitel, ist ihm damit ein weiterer Schritt dahin gelungen. Allerdings hatte der Koordinator für die Luft- und Raumfahrt, Peter Hintze, erst jüngst nochmals betont, Deutschland wolle sich bei wichtigen Entscheidungen über Produktions-, Forschungs- und Entwicklungsstandorte bei EADS nicht an den Rand drängen lassen.

Offen ist weiterhin, wer den zwölfköpfigen Verwaltungsrat leiten wird. Solange Enders den Konzern führt, dürfte es wieder ein Franzose werden. Als Kandidaten für den Posten gelten unter anderem der frühere EZB-Chef Jean-Claude Trichet, der bereits Mitglied des Gremiums ist, sowie der Verwaltungsratschef des Telekomausrüsters Alcatel-Lucent, Philippe Camus.