Zeitung - "Frankfurter Rundschau" vor Übernahme durch FAZ

Sonntag, 27. Januar 2013, 15:26 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die traditionsreiche "Frankfurter Rundschau" (FR) soll nach einem Medienbericht vom größeren Konkurrenten "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) übernommen werden.

Das "Hamburger Abendblatt" berichtete am Wochenende unter Berufung auf Verlagskreise, die FAZ wolle die insolvente FR in abgespeckter Form als Regionalzeitung für das Rhein-Main-Gebiet fortführen. Geplant sei die Übernahme von etwa 30 Redakteuren und mehreren freien Mitarbeitern. Texte zu überregionalen Themen sollten offenbar von der FAZ zugeliefert werden. Gedruckt werde die FR künftig von der Frankfurter Societäts-Druckerei, einem Schwesterunternehmen der FAZ. Zustimmen müssten der Übernahme noch die Fazit-Stiftung als Hauptgesellschafterin der FAZ sowie die fünf FAZ-Herausgeber.

Ein Sprecher des Insolvenzverwalters Frank Schmitt wollte den Bericht am Sonntag nicht bestätigen. Es gebe nach wie vor mehrere Interessenten, aber bislang kein konkretes Angebot, sagte er Reuters: "Wir gehen davon aus, dass es morgen eine Entscheidung gibt. Die Gläubiger müssen morgen entscheiden, ob die Zeitung fortgeführt oder eingestellt wird." Allerdings seien die Verhandlungen soweit gediehen, dass Schmitt nicht von einer Einstellung ausgehe. Am Mittwoch sollten die Mitarbeiter informiert werden.

FR-Betriebsrat Marcel Bathis sagte Reuters, am Montag wollten er und andere Arbeitnehmervertreter mit SPD-Chef Sigmar Gabriel über einen Sozialplan und eine mögliche Transfergesellschaft für die etwa 460 Mitarbeiter von Verlag und Druckerei sprechen. Die SPD ist über ihre Medienholding mit 40 Prozent am Verlag der FR beteiligt. Etwas mehr als 50 Prozent liegen beim Kölner Verlag M. DuMont Schauberg, der Rest bei der Stiftung des früheren Mehrheitsgesellschafters Karl Gerold.

Der Verlag der 1945 gegründeten "Frankfurter Rundschau" hatte im November Insolvenz angemeldet. Sollten die Verkaufsbemühungen scheitern, könnte eine weitere überregionale Qualitätszeitung vom Kiosk verschwinden. Erst im Dezember war die "Financial Times Deutschland" eingestellt worden.