Kreise: Siemens treibt Verkauf von Wassertechnik voran

Montag, 28. Januar 2013, 14:56 Uhr
 

Frankfurt/München (Reuters) - Siemens treibt seinen Konzernumbau voran. Für die Wassertechnik hat der Konzern Finanzkreisen zufolge nun die Investmentbanker von Goldman Sachs angeheuert, um einen Käufer zu finden.

Das Verkaufsverfahren soll offiziell im zweiten Quartal starten, wie zwei mit den Plänen vertraute Personen sagen. Goldman und Siemens lehnten eine Stellungnahme ab.

Die Wasseraufbereitungstechnik mit ihrem Umsatz von einer Milliarde Euro und rund 600 Mitarbeitern hat sich Siemens in knapp zehn Jahren teuer zusammengekauft. Das Segment ist vor allem in den USA aktiv, wo sich Siemens 2004 für eine Milliarde Dollar den Wettbewerber US Filter einverleibte. Dort hat das Geschäftsgebiet auch seinen Hauptsitz. Experten erwarten daher, dass sich vor allem die amerikanischen Rivalen Xylem und Pentair für die Siemens-Sparte interessieren dürften.

Daneben rechnen Insider auch mit Interesse aus Fernost, wo es derzeit die größten Wachstumsraten in der Aufbereitungsbranche gibt. "Asiatische Unternehmen werden wahrscheinlich auch ihren Hut in den Ring werfen", sagte einer. Die Konkurrenten Kurita, Hyflux, Hitachi und Marubeni werden gehandelt. Daneben gelten Finanzinvestoren wie KKR, Permira oder Bain als generell interessiert.

Die Münchner knüpften einst große Hoffnungen an das Geschäft mit Stadtwerken weltweit, konnten sich allerdings gegen lokale Anbieter kaum durchsetzen. Zudem fehlten Synergien mit anderen Konzerneinheiten. Das Siemens-Management stört sich außerdem an den verhältnismäßig geringen Renditen der Sparte.

Der Münchner Konzern trennt sich derzeit von mehreren randständigen Geschäftsfeldern. Dazu gehört neben der Wassertechnik auch die Leuchtmitteltochter Osram, die verlustträchtige Solarsparte sowie das Geschäft mit Sortieranlagen.

Auch aus dem Sortieranlagengeschäft will sich Konzernchef Peter Löscher wegen der schwachen Margen verabschieden. Dort erwirtschaftete Siemens mit 3600 Mitarbeitern einen Umsatz von 900 Millionen Euro mit Anlagen zur Sortierung von Gepäckstücken und Postfracht. Womöglich wird die Sparte in das Flughafen- und das Postsegment aufgeteilt, wie Finanzchef Joe Kaeser in der vergangenen Woche auf der Hauptversammlung andeutete. An der Wassertechnik als auch für an den Sortiersparten gebe es "beträchtliches Interesse" möglicher Käufer, hatte er erklärt.

SICHERHEITSTECHNIK WIRD ALS VERKAUFSKANDIDAT GEHANDELT

Mit der Veräußerung der genannten Geschäfte könnte Löschers Verkaufsliste noch nicht abgearbeitet sein. Insider rechnen damit, das der Manager noch weitere Bereiche abstößt. Besonders betroffen ist der Sektor Infrastruktur & Städte (I&C). Das jüngste Großsegment gibt es erst seit 16 Monaten, nach Willen der Siemens-Spitze sollte es sich als Ausrüster für Städte, Verkehrstechnik und Energieverteilung an der Weltmarktspitze etablieren. Mittlerweile bezeichnen es Investoren als Siemens' "Resterampe".

Als Trennungskandidaten gehandelt werden die Sicherheitstechnik mit ihrem Sitz in Schweden und die gesamte Gebäudetechnik, die häufig mit der ausgegliederten Osram zusammenarbeitet. Finanzkreisen zufolge sucht die Investmentbank Rothschild bereits nach einem möglichen Käufer für die Sicherheitssparte.

Mit einem Gesamtverkauf der Division Gebäudetechnik verließen rund 30.000 Mitarbeiter und knapp sechs Milliarden Euro Umsatz den Konzern. Zahlen für die Sicherheitstechnik weist das Unternehmen nicht aus. Eine Siemens-Sprecherin lehnte eine Stellungnahme ab.