Toyota wieder Weltspitze - GM und VW überholt

Montag, 28. Januar 2013, 15:56 Uhr
 

Tokio/München (Reuters) - Im Rennen um die Spitzenposition als weltgrößter Autobauer ist Toyota an seinen Dauerrivalen General Motors und Volkswagen wieder vorbeigezogen.

Mit einem Absatzplus von 23 Prozent fuhr der japanische Konzern 2012 von Platz 3 auf Platz 1 vor. Toyota verkaufte weltweit die Rekordzahl von 9,75 Millionen Fahrzeugen - die Opel-Mutter GM kam auf 9,3 Millionen, VW auf 9,1 Millionen. Die Konkurrenten gewannen zwar ebenfalls hinzu, allerdings in kleinerem Umfang. Hauptantrieb bei Toyotas Überholmanöver war die Erholung der japanischen Autobranche nach der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe vom März 2011. Zudem kommt den großen Autobauern während der schrumpfenden Absätze im krisengeschüttelten Europa zugute, dass die Geschäfte in den USA weiter glänzend laufen. Gerade hier konnte Toyota mit einem Plus von gut 26 Prozent kräftig zulegen.

Viele Autobauer profitieren zudem vom kräftigen Absatzwachstum in China, dem inzwischen vor den USA größten Automarkt der Welt. Toyota indes verbuchte dort zuletzt immer wieder Rückgänge, weil viele Chinesen seit Monaten japanische Marken boykottieren. Hintergrund ist ein Streit um eine unbewohnte Inselgruppe, auf die sowohl die Volksrepublik als auch Japan Anspruch erhebt. Die Ausfälle in China glich Toyota durch Zuwächse vor allem in Nord- und Südamerika aber auch anderen Regionen aus.

Auch 2013 will der Konzern Gas geben, wenn auch nicht mehr so rasant: Der Absatz soll um 1,6 Prozent auf 9,9 Millionen Fahrzeuge steigen. Dabei macht sich bremsend bemerkbar, dass der Erholungseffekt nach dem Jahrhundertbeben abebbt und das Wachstum des US-Marktes sich verlangsamt. Aber auch VW will dieses Jahr erneut zulegen und hat sein Ziel, bis 2018 an die Weltspitze zu fahren, nicht aus den Augen verloren.

Profitieren könnte Toyota allerdings von der international umstrittenen Lockerung der japanischen Geldpolitik. Diese dürfte den Kurs der Landeswährung Yen drücken, was den Exporteuren im Auslandsgeschäft Vorteile brächte. Kritiker befürchten, dass dadurch eine Abwertungswettlauf zwischen den Wirtschaftsräumen in Gang kommt. Helmut Becker, Leiter des Münchner Instituts für Wirtschaftsanalyse und Kommunikation (IWK), rechnet aber nicht damit. "China, die USA und Europa werden das auf Dauer nicht hinnehmen", sagte er. "Wenn eine der wichtigsten Wirtschaftsnationen Dumping über den Wechselkurs betreibt, werden sich die anderen das nicht gefallen lassen." Zudem hänge Toyotas Aufschwung weniger am Yen. Wie die anderen großen Autobauer fertige auch Toyota in den jeweiligen Absatzregionen, um sich gegen Wechselkursschwankungen abzusichern.

TOYOTA ZEIGT GM UND VW DIE RÜCKLICHTER

Toyota hatte 2008 GM nach jahrzehntelanger Vorherrschaft als größten Autobauer der Welt abgelöst. Bis 2010 hielten sich die Japaner an der Spitze. 2011 fiel der Konzern, zu dem auch die Marken Lexus, Daihatsu und Hino gehören, aber hinter den US-Rivalen und Europas größten Autobauer VW zurück. Ursächlich dafür waren vor allem die Folgen der Beben- und Tsunami-Katastrophe, aber auch schwere Überschwemmungen in Thailand, wegen denen auch Werke von Toyota und Zulieferern lange stillstanden, sowie ein großer Rückruf in den USA. Zwischen 2009 und 2011 hatte Toyota mehr als zehn Millionen Fahrzeuge wegen klemmender Gaspedale und rutschender Fußmatten in die Werkstätten zurückgerufen. Ende Dezember 2012 schloss das Unternehmen einen Milliarden-Vergleich, um einen Schlussstrich unter eine Klageflut verärgerter Kunden zu ziehen.

 
View of the front corner of the Toyota Corolla Furia concept as it is displayed at the North American International Auto Show in Detroit, Michigan January 14, 2013. REUTERS/Rebecca Cook (UNITED STATES - Tags: TRANSPORT BUSINESS)