Auch RWE droht ein Arbeitskampf

Dienstag, 29. Januar 2013, 16:33 Uhr
 

Düsseldorf (Reuters) - Nach E.ON droht jetzt auch dem Konkurrenten RWE ein Arbeitskampf.

Die dritte Verhandlungsrunde für die rund 50.000 Beschäftigten in Deutschland sei am Montagabend ergebnislos abgebrochen worden, teilte die Gewerkschaft IG BCE am Dienstag mit. "Wir haben in keinem Punkt echte Fortschritte erreichen können", sagte IG-BCE-Verhandlungsführer Holger Nieden. Die Verhandlungskommission werde nun vorschlagen, die Gespräche für gescheitert zu erklären. IG BCE und die Gewerkschaft Verdi wollen am Dienstag kommender Woche über das weitere Vorgehen beraten. Die Arbeitgeber müssten ein besseres Angebot vorlegen, um eine Eskalation zu verhindern, sagen sie. Bei E.ON könnte es derweil schon kommende Woche Streiks geben.

Die Gewerkschaften fordern für die Beschäftigen von RWE sechs Prozent mehr Lohn. Der Konzern hat nach ihren Angaben angeboten, die Gehälter 2013 und 2014 um jeweils 1,5 Prozent zu erhöhen. Außerdem sollen die Beschäftigen zwei Einmalzahlungen von je 500 Euro erhalten. Das Unternehmen bestätigte diese Angaben nicht. RWE sei weiter gesprächs- und verhandlungsbereit, sagte ein Sprecher. "Angesichts der Herauforderungen der Energiewende benötigen wir Flexibilität bei der Zielsetzung, Beschäftigung zu sichern."

FRONTEN BEI E.ON VERHÄRTET

Die Energiekonzerne sind wegen der Einbußen durch die Atomwende, wegen des schwächelnden Gasgeschäfts und hoher Schulden unter Druck. E.ON und RWE haben Sparprogramme aufgelegt und wollen Tausende Arbeitsplätze streichen. E.ON baut 11.000 Jobs ab, bei RWE sollen 10.400 Stellen wegfallen. RWE-Chef Peter Terium ringt zudem mit den Arbeitnehmervertretern über die Vereinbarung zur Beschäftigungssicherung, die die Gewerkschaften für zehn Jahre verlängern wollen.

Beim Konkurrenten E.ON könnten die Mitarbeiter bereits Anfang kommender Woche in den Ausstand treten. Bis Freitag läuft noch die Urabstimmung, bei der mindestens 75 Prozent für einen Arbeitskampf stimmen müssten. Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi wäre dies der erste unbefristete Streik in der Energiewirtschaft in der Geschichte der Bundesrepublik. Die Gewerkschaften würden auch Kraftwerke bestreiken. E.ON könnte dadurch gezwungen werden, Strom teuer an der Börse zuzukaufen. Die Bevölkerung solle nicht getroffen werden. Für die 30.000 Beschäftigen von E.ON in Deutschland haben die Gewerkschaften 6,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt gefordert. Das letze Angebot der Arbeitgeber habe bei 1,7 Prozent gelegen.

 
The site of a newly opened distribution hub of the gas pipeline Gazelle is pictured in Primda January 14, 2013. REUTERS/Petr Josek