Ex-N24-Chef kauft Nachrichtenagentur dapd - Chefredakteurin geht

Dienstag, 29. Januar 2013, 19:03 Uhr
 

München (Reuters) - Die Nachrichtenagentur dapd ist der Insolvenz entronnen.

Der Journalist Ulrich Ende habe dapd für einen nicht veröffentlichten Kaufpreis übernommen, teilte Insolvenzverwalter Christian Köhler-Ma am Dienstag mit. Ende, ehemaliger Chef des Nachrichtensenders N24, will mit einem Vollangebot an Nachrichten dem deutschen Marktführer dpa weiter Paroli bieten. dapd hatte zuletzt die Zahl der Mitarbeiter um ein Drittel auf 200 verringert. Die Insolvenz im Oktober war bereits die dritte Pleite des Unternehmens seit der Gründung der Vorläuferagentur ddp im Jahr 1971.

Ende muss sich einen neuen Chefredakteur suchen. Amtsinhaberin Melanie Ahlemeier werde das Unternehmen auf eigenen Wunsch verlassen, hieß es in der Mitteilung. Damit setzt sich der Exodus an der Führungsspitze fort - seit der Vereinigung von ddp mit dem deutschen Dienst der US-Agentur AP zur dapd vor drei Jahren haben mehrere Führungskräfte das Unternehmen verlassen.

Die neue dapd Nachrichten GmbH soll am 1. Februar als Vollagentur mit den Basisdiensten Politik, Wirtschaft und Panorama sowie zwölf Landesdiensten starten. Sportberichterstattung gehöre ebenfalls zum Angebot, sagte ein Sprecher von Köhler-Ma. Bei der Auslandsberichterstattung stütze sich dapd auf die US-Agentur Dow Jones und deren Schwesterzeitung "The Wall Street Journal".

Den früheren Auslandspartner AP hatte dapd zuletzt an dpa verloren. dpa bot lange Zeit als einzige Nachrichtenagentur ein Vollsortiment an, während andere Anbieter wie Reuters oder AFP auf Bereiche wie Wirtschaft, Politik oder Auslandsnachrichten spezialisiert sind. Der deutsche Agenturmarkt gilt als einer der am härtesten umkämpften in der Welt.