Centrotherm wieder auf gesunden Beinen - Insolvenzplan gebilligt

Dienstag, 29. Januar 2013, 19:04 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Der schwäbische Solaranlagenbauer Centrotherm ist in Rekordzeit finanziell wieder auf die Beine gestellt worden.

Die Gläubiger und Aktionäre stimmten am Dienstag in Ulm dem Insolvenzplan zu, mit der das Blaubeurer Unternehmen entschuldet wird, wie Centrotherm mitteilte. Centrotherm hatte im Juli 2012 ein sogenanntes Schutzschirmverfahren beantragt, das nach dem neuen Insolvenzrecht eine schnelle Sanierung in eigener Regie erlaubt. "Es ist damit innerhalb von wenigen Monaten gelungen, einen weltweit tätigen, börsennotierten Konzern wieder fit für die Zukunft zu machen", sagte Sachwalter Martin Hörmann. Die zuletzt rund 1000 Arbeitsplätze blieben erhalten.

Teil des Plans ist ein Tausch von Schulden in Eigenkapital, Das ist in Deutschland erst seit knapp einem Jahr möglich. Die bisherigen Aktionäre bleiben mit 20 Prozent beteiligt. Es ist das erste Mal in Deutschland, dass ein Unternehmen nach einem solchen Schritt ("debt-for-equity swap") an der Börse gelistet bleibt. Die Gläubiger erhalten über einen Treuhänder 80 Prozent des Kapitals, so dass sie bei einem Weiterverkauf in etwa drei Jahren am Erlös beteiligt werden. Nach Ansicht von Centrotherm haben sie dann bei guter Kursentwicklung der Aktie sogar die Chance, mehr als ihre Insolvenzforderung zu bekommen - etwa wenn die Firma wie geplant bis 2014 die Rückkehr in die Gewinnzone schafft. Die Gläubiger hatten 460 Millionen Euro Forderungen angemeldet.

In der Photovoltaik will sich Centrotherm künftig auf Technik für die Produktion von Solarzellen konzentrieren. Ein zweites Standbein will sich Centrotherm in der Chip-Industrie schaffen: Der Halbleiter-Bereich berge ein Umsatzpotenzial von 100 bis 150 Millionen Euro.